Fahrrad und Fahrradteile gegen Diebstahl sichern

> Wer stiehlt eigentlich die ganzen Fahrräder in Deutschland?
> Kann ich ein Fahrrad diebstahlsicher am Bahnhof oder an der Uni abstellen?
> Welches Schloss ist sicher, was muss ich beim Schlosskauf beachten?
> Wie kann ich ein leichtes, teures Rennrad kurzzeitig sichern?
> Gibt es effiziente Möglichkeiten, den Teile-Diebstahl am Rad effektiv verhindern?
> Wie lässt man ein gutes Fahrrad möglichst unattraktiv erscheinen?
> Ist eine Fahrradversicherung sinnvoll?
> Helfen Codierung, Fahrrad-Alarmanlage und GPS-Tracker gegen Diebstahl?
> Was tun, wenn das Fahrrad gestohlen wurde?

 

Statistisch werden in Deutschland jeden Tag gut 900 Fahrräder gestohlen, das entspricht einer kriminellen Taktrate von unglaublichen zwei Minuten oder ca. 330.000 Rädern pro Jahr, die 2016 bei der Polizei als gestohlen gemeldet wurden. Die Dunkelziffer aller geklauten Bikes dürfte wesentlich höher liegen. Die Aufklärungsquote der Polizei liegt statistisch bei knapp 10 %. Sie schwankt allerdings stark zwischen 3,5 % in Bielefeld oder Berlin und fast 34 % in Delmenhorst. Mir sind in meinem Leben bisher zwei Räder als Jugendlicher geklaut worden. Beide Male war ich tagelang traurig. Das Schlimme daran ist nicht allein, dass ein Rad materiell weg ist. Das wirklich Schlimme für den Bestohlenen sind die gestohlenen Erinnerungen an das Fahrrad sowie die Tatsache, dass man wahrscheinlich erstmal ein paar Tage nachdenklich zu Fuß gehen muss. In Neapel und anderen kriminellen Großstädten parken die Menschen ihre Zweiräder grundsätzlich auf dem Balkon der Wohnung. Dort stehen übrigens auch Mopeds und Roller – bis in den sechsten Stock hinein.

Diebstahlsicherung eines Schutzblechs durch eine simple Kabelklemme

Simple Diebstahlsicherung durch eine zusätzliche Kabelklemme am abnehmbaren Steckschutzblech

Wer klaut die ganzen Fahrräder eigentlich? Früher waren es oft die Selbstbediener, die nur kurz von A nach B wollten. Heute sind es oft junge Einzeltäter unter 21 Jahren, verzweifelte Drogenabhängige und immer öfter spezialisierte Fahrrad-Banden, die gleich ganze LKW-Container  mit Zweirad-Diebesgut befüllen. Auffällig ist, dass die Täter fast immer männlich sind.

Rein statistisch haben die Diebstähle in den letzten zehn Jahren in Deutschland zwar abgenommen, aber die Fahrräder wurden gerade in den letzten paar Jahren immer hochwertiger und viel teurer, deshalb steigt die Schadenssumme für Versicherungen trotzdem Jahr für Jahr. In Zeiten von hippen Lastenrädern, MTB-E-Bikes und stufenlosen Automatikgetrieben in Carbon-Rahmen gehört ein ausdrucksstarkes Edelbike mittlerweile zum luxuriösen Lifestyle-Segment in unserer Gesellschaft. Die Hochsaison für Fahrraddiebe beginnt im Frühling und endet im Herbst. Es ist mal wieder das beste Beispiel für „Gelegenheit macht Diebe“ (große Auswahl) sowie „Angebot und Nachfrage“ (großer Bedarf und hohe Attraktivität) in der Sommersaison. Im Winter ist Radfahren plötzlich auch für Diebe wenig lukrativ.

Google Trends klärt über das Thema Fahrraddiebstahl genau auf:


Quelle: Google Trends 11/2017

Daher werden auch einzelne Diebstähle immer lukrativer. Das geht soweit, dass Räder sogar auf Bestellung geklaut werden. Der Täter macht zunächst nur ein Foto und schlägt erst dann zu, wenn er im Internet einen Kaufinteressenten hat. Die Räder werden oft anonym in Aktionsbörsen oder in Teilen im Internet verkauft. Einige Fahrräder tauchen nach Wochen in Osteuropa, auf Flohmärkten (z.B. in Essen), oder im Gebrauchthandel wieder auf. Die ressourcenschwache Polizei ist machtlos und Vater Staat sieht dem kriminellen Treiben seit Jahrzehnten unbeteiligt zu. Wer sich auf das Thema Fahrraddiebstahl in Deutschland mental richtig einstimmen will, sollte sich eine Viertelstunde Zeit nehmen und dieses ARD-Panorama-Video ansehen.

Ein Fahrraddiebstahl ist generell immer möglich, denn jedes Schloss lässt sich endlich knacken: Mit viel Zeit, mit kriminellem Know-how oder mit professionellem Werkzeug. Selbst die besten Bügelschlösser sind mit einer Akkuflex in weniger als einer Minute geöffnet. Aber man kann selbst sehr viel tun, um einen Zweiradklau oder einen Fahrrad-Teilediebstahl möglichst unattraktiv zu machen. Denn genau das ist mein Ziel: Das eigene Rad muss immer etwas besser abgesichert sein, als die Räder die gleich daneben stehen. Oder unattraktiver aussehen. Braucht ein Dieb zum Knacken drei Minuten oder länger, lässt er meist vom Objekt der Begierde ab.

 

Viele Anti-Diebstahl-Maßnahmen sind für den Zweiradbesitzer so gut wie immer mit Nachteilen verbunden:


  • Gute Fahrradschlösser sind meist kostspielig und erfordern einen festen Gegenstand zum Anschließen
  • sie sind am Rad schlecht zu befestigen und mit bis zu 2,5 kg sehr schwer
  • Schraubensicherungen für edle Fahrradteile sind teuer
  • und benötigen im Fall einer Panne zwingend das passende Werkzeug
  • Alarmanlagen und GPS-Tracker sind teuer, brauchen ständig Energie und gelten noch als unzuverlässig

Es gilt also die bestmöglichen Kompromisse zu finden, die im eigenen Zweirad-Alltag funktionieren. Und zwar bevor das eigene Rad gestohlen wird. Die folgenden Tipps gelten auch für motorisierte Zweiräder.

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Szenario 1: Wie kann ich ein Fahrrad diebstahlsicher am Bahnhof, an der Uni oder am Schwimmbad parken?

Ein altes Sprichwort besagt: Ein altes Rad und ein gutes Schloss ist hier die einzig wahre Strategie, um einen Fahrraddiebstahl an Bahnhöfen auf Dauer überhaupt noch vereiteln zu können. Deshalb gilt: Bahnhöfe, Schwimmbäder, Universitäten, Bibliotheken, Schulen und öffentliche Fahrradkeller als Fahrradabstellplatz unbedingt meiden. Diebe lieben gute Drahtesel, die mit Sicherheit für mindestens eine halbe Stunde oder mehr unbeaufsichtigt sind. Ein gutes Fahrrad als Pendler am Bahnhof zu parken, grenzt an Wahnsinn, denn hier haben Kriminelle große Auswahl, genug Zeit und sehr viele Möglichkeiten um ganz schnell unterzutauchen.

Fahrradteile DiebstahlSelbst ein altes, rostiges Dreigangrad mit einem Wert von nur 50,- EUR muss an Pendlerstationen mit einem richtig guten Schloss fest angeschlossen werden, denn gerade hier ist für Gelegenheitsdiebe nichts so attraktiv, wie z.B. eine kurze Fahrt in die Stadt mit dem Rad. Oder vom Schwimmbad nachhause zu radeln statt zu latschen. Alle Fahrradteile müssen fest angeschraubt sein, sonst sind sie weg. Schnellspanner müssen gegen fest verschraubte Achsen getauscht werden. Am besten verwendet man zwei Schlösser verschiedener Hersteller und kettet selbstverständlich beide Laufräder fest mit an. Polizei, ADFC und Versicherungen raten davon ab, ein Rad z.B. an einem dunklen, unbeobachteten Hinterhof sichtgeschützt abzustellen. Öffentliche Plätze mitten in Städten sind als Fahrrad-Parkplatz besser geeignet: Aber man darf es eben nicht am Bahnhof, an der Uni oder vor dem Schwimmbad parken, wo es quasi eine Garantie für Kriminelle gibt, das Rad oder teure Fahrradteile in aller Ruhe zu stehlen!

Orte mit sehr hoher Diebstahlgefahr für Fahrräder sind:

• Pendlerstationen, Bahnhöfe und größere Verkehrshaltestellen
• Je nach Wohnsituation auch im direkten Umfeld des Wohnorts
• Schulen und Universitäten
• Bildungs- und Freizeiteinrichtungen
• Geschäfte und Lokale mit längerer Aufenthaltsdauer z.B. der Biergarten

Wo werden in Deutschland die meisten Fahrräder gestohlen?
Richtig gefährlich für Radfahrer sind Städte wie Münster, Leipzig, Halle, Cottbus, Magdeburg, Kiel und natürlich Berlin. Aber auch im beschaulichen Landkreis Gütersloh kamen 2016 insgesamt 2.347 Räder weg. Gütersloh liegt damit auf dem traurigen Platz 8 der Landkreise mit dem größten Fahrraddiebstahl-Risiko. Am sichersten parken sie Ihr Rad z.B. in der Südwestpfalz, in Bayreuth, Hof oder der Vulkaneifel. Die Statistik unterscheidet in „Diebstählen absolut“ und „Diebstählen pro 100.000 Einwohner“. So werden in Berlin zwar täglich 94 Räder geklaut, bezogen auf die Einwohneranzahl der Städte sind das aber nicht viel mehr als in Hannover, Bonn, Freiburg oder Paderborn. Auffällig ist das starke Nord-Süd-Gefälle. Im Norden von Deutschland verschwinden erheblich mehr Räder als im Süden. Die gesamte Studie der Fahrradklau-Hochburgen kann hier als PDF heruntergeladen werden.

 

Szenario 2: Ich habe ein neues Rad und brauche ein gutes Schloss – welches soll ich kaufen?

Es gibt leider nicht viele Fahrradschlösser, die einem geplanten Diebstahl mit Bolzenschneider oder Akkuflex lange standhalten. Außerdem haben fast alle Nachteile: Sie sind sehr schwer, denn sie müssen aus dickem, gehärtetem Stahl bestehen, sonst schneiden selbst billige Bolzenschneider ungehärteten Stahl durch wie Butter. Es gilt die alte Regel: 10 Prozent des Fahrradwertes sind sinnvoll in ein Schloss investiert. 60 – 120 Euro dürfen es also schon sein.Beim Abschließen aller Fahrradschlösser sollen die Schließzylinder grundsätzlich nach unten zeigen, um das Aufbrechen mit Picking-Werkzeugen zu erschweren. Man findet im Netz Testberichte zu guten Fahrradschlössern, die leider nur wenige Modelle empfehlen und nicht alle übereinstimmende Ergebnisse liefern.

Experten empfehlen: 

  • Bügelschlösser mit hochwertigem Schließzylinder (z.B. Abus Granit X Plus™) , die auch Picking-Versuchen standhalten
  • Kettenschlösser mit gehärteten Gliedern (z.B. Hiplok™ Tragbar wie ein Gürtel)
  • Stabile Faltschlösser (z.B. Abus Bordo™) mit Befestigung am Getränkehalter müssen lang genug sein, um das Rad an einem festen Gegenstand abzuschließen
  • Lichtblick: Tex-lock™ ist ein leichtes Schloss aus verschiedenen Textilfasern, die intelligent verwoben sind (ab Frühling 2018 erhältlich). Youtube Video
  • Im Zweifelsfall nehmen Sie zwei Schlösser von verschiedenen Herstellern, so fällt eine „kriminelle Spezialisierung“ auf einen bestimmten Schloss-Typ aus

Abgeraten wird von:

  • Drahtseil- und Spiralschlössern ohne Stahlummantelung, diese können oft schon mit einem normalen Seitenschneider aus dem Baumarkt geöffnet werden
  • Günstigen Kettenschlössern, deren Glieder weder gehärtet sind, noch einem Picking-Versuch standhalten
  • Zahlenschlössern, da sie von Langfingern mit Fingerspitzengefühl als leicht zu knacken gelten
  • Älteren Schlössern, denn selbst wenn sie noch wie neu aussehen, sind sie technisch überholt

 

Panzerkabelschloss und leichtes Drahtseilschloss im Vergleich

Abus Steel-O-Flex Panzerkabelschloss und eine leichte Drahtseilschlinge im Vergleich. Das dicke Panzerkabelschloss passt noch so gerade durch die Speichen.

Der gravierendste Nachteil teurer und hochwertiger Stahlschlösser ist fast immer das hohe Gewicht samt der Befestigung am Rad. Je schwerer ein Schloss, desto stabiler muss die Halterung sein. Die Schlosshalterung ist genauso wichtig wie das Schloss selbst! Schlägt sie nach ein paar Kilometern auf schlechten Wegen aus, ist das Schloss nur noch halb soviel wert. Beim Fahrrad erhöht sich bei einer festen Schlossmontage noch das Gewicht der ungefederten Massen. So wird eine Fahrt über Kopfsteinpflaster mit einem schweren Schloß viel unangenehmer wahrgenommen, als wenn es z.B. gefedert direkt am Körper getragen wird.

 

 

Das Hiplok Kettenschloss um die Hüfte getragen stört beim radeln nicht

Das „Hiplok“ Gürtelschloss ist in der Länge verstellbar und nach ein paar Kilometern vergessen. Es trägt sich fast so gut wie echtes „Hüftgold“.

Der beste Platz für ein schweres Fahrradschloss ist meiner Erfahrung nach das Tragen wie ein Gürtel. Nach zehn Minuten Fahrt ist es dort so gut wie vergessen. Über der Jacke bedeutet das eine optimale Schlosslänge von ca. 90-115 cm je nach Statur und Bekleidung: Selbst ausmessen und „anprobieren“ sind leider nicht immer so einfach möglich, da die Hersteller das Schloss dummerweise gern in einer versiegelten Verpackung ausliefern.

Wie schon erwähnt gibt es auch bei dieser Schlossart einen Nachteil: Je öfter das Schloss durch nasse, verstaubte Speichen gezogen wird, desto dreckiger wird es und desto schmutziger wird auch das textile Oberteil, an dem es eng umschlungen hängt. Zusammen mit dem üblichen Hauch von sommerlichem Schweiß gibt das dunkle, ölige Ränder an hellen Oberteilen. Für Schönwetterfahrer ist das aber in der Regel kein großes Problem. Mein Motorrad-Oltimerschloss habe ich aus Stilgründen beim Schuster sogar mit Leder beziehen lassen. Beim deutlich schwereren Motorrad ist es am gefederten Fahrzeug selbst aber besser befestigt. Kürzere oder längere Schlösser hängt man sich einfach schräg über die Schulter wie einen Patronengurt. Dieser Schulterplatz  ist auf Dauer aber eindeutig weniger komfortabel. Ich bin gespannt auf das leichte Tex-lock™- Seilschloss im nächsten Jahr.

 

Szenario 3: Wie sichert man ein leichtes, teures Rennrad kurzzeitig gegen Diebstahl?

Sicher nicht mit einem schweren Schloss. Dazu ein Rechenbeispiel: Ein gutes Rennrad oder Gravel-Bike  wiegt vielleicht 6,5 – 10 Kilo. Wer hängt sich da ein stabiles Schloss mit 2,5 kg dran und erhöht freiwillig das Gewicht um ein Viertel bis ein Drittel des Gesamtgewichts? Das entspräche bei einem 200 kg-Motorrad einer Zuladung von 50-70 kg nur für die Diebstahlsicherung. Zudem sind an teuren Rädern alle Teile in Sekunden mit Schnellverschlüssen demontierbar, hier braucht man schon ein paar gute Schlösser, um z.B. nur den Radsatz samt Sattel zu sichern, der allein schnell über 1000,- EUR wert sein kann. Was also tun?

Gegenfrage: Wann haben Sie das letzte mal so ein teures, leichtes Rad abgeschlossen in der Stadt gesehen? Wahrscheinlich so gut wie nie. Richtig, denn dafür gibt es einen Grund: Solche Räder parkt man ausschließlich in der Wohnung, nicht im Keller, nicht in der Garage, nicht im Auto und schon gar nicht in der Stadt. Selbst bei einer Panne mit einem platten Reifen kann ein Leichtbaurad noch hervorragend getragen werden, statt es irgendwo unbeaufsichtigt abzustellen und später abzuholen.

Falls man dann doch mal kurz ohne Schloss unbedingt in die Tankstelle muss, raten erfahrene Radler von teuren Drahteseln gern das Fahrrad in Einzelteile zu zerlegen und diese lose zusammengestellt an eine Wand zu lehnen: Kette vom Zahnkranz nehmen, Sattel lösen, Räder rausnehmen. So fällt einem Dieb beim Zugriffe alles aus der Hand: Video ansehen Mit dem schnellen Rad als Fluchtfahrzeug einfach abzuhauen wird dadurch ebenfalls unmöglich.

Leichtes Zahlenschloss für Rennräder

Crops Zahlenschlösser aus Japan wiegen weniger als 200 Gramm und sind für leichte Sporträder oder auf Reisen ideal. Sie hindern Diebe aber nur am mühelosen wegfahren – nicht am aufknacken.

Leichter geht es so: Um ein teures Rennrad an der Tanke für zwei Minuten zu sichern, reicht ein ganz leichtes Drahtseilschloss abgeschlossen an einem festen Gegenstand aus. Das gilt aber wirklich nur für ein paar Minuten. Teure Rennräder werden von professionellen Dieben viel lieber direkt auf Sportveranstaltungen geklaut, wenn der Triathlet sich gerade umzieht oder die Sportlerin im Wasser ist… Denn hier ist die Auswahl riesig, die Hektik groß und es bieten sich viele Chancen an Profimaterial zu kommen.

 

 

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Szenario 4: Mein Fahrradsattel samt Sattelstange wurde gestohlen. Wie kann ich den üblichen Teile-Diebstahl am Rad verhindern?

Diebstahlsicherer Fahrradsattel

Teurer Brooks Ledersattel, der mit einer vernieteten Fahrradkette diebstahlsicher und höhenverstellbar mit dem Rahmen des Vintagebikes verbunden ist.

Eine mit Schnellverschluss fixierte Sattelstange samt teurem Sattel oder nicht fest verschraubte Laufräder  lässt man nirgendwo allein stehen. Falls doch werden zumindest alle Schnellspanner gegen diebstahlsichere Lite Axles ausgetauscht, für die ein Werkzeug nötig ist. Der Teilediebstahl am Fahrrad ist ein Riesenproblem, denn alles was nicht wirklich niet- und nagelfest ist, verschwindet mit der Zeit. Erst die Komponenten machen ein Rad richtig wertvoll. Alle Fahrradteile sind nunmal bis heute zusammengeschraubt oder sogar nur angeclipst. In Zeiten, in denen gute LED-Scheinwerfer über 100 EUR kosten, ist eine Schraubensicherung einfach Pflicht.

 

 

Pitlock als Diebstahlschutz

Pitlock als effektiver Diebstahlschutz

Zum Thema Schraubensicherungen haben sich einige Firmen in den letzten Jahren tolle Sachen einfallen lassen. Das Prinzip ist dabei immer das Gleiche: Der Dieb benötigt genau das passende Spezialwerkzeug in Form eines Werkzeugs ähnlich wie die „Sondernuss“ bei gesicherten Autorädern.

Leider sind diese Systeme oft sehr kostspielig und erfordern eben fast immer ein Werkzeug, dass bei jeder Panne zur Hand sein muss. Die Fahrradwerkstatt kann da sonst auch nicht weiterhelfen. An bekannten Schraubensicherungs-Systemen gibt es zum Beispiel:

 

 

  • Pitlock™ hat mehr als 1000 verschiedene Codierungen, das Werkzeug kann über eine Codekarte bei Verlust nachbestellt werden. Für ein 3er-Set „Radachsen und Sattel“ liegt der Straßenpreis bei mindestens 40,- EUR
  • Hexlox™ funktioniert ähnlich, sieht optisch jedoch anders aus
  • Abus NutFix™ Schraubenabdeckungen lassen sich nur abnehmen, wenn das Rad auf der Seite liegt
  • Die Sattelstützensicherung von Rose funktioniert mit einem einfachen Drahtseil für knapp 6,- EUR

 

Diebstahlsichere Pitlock-Schraube

Pitlock-Schraube für die Sattelklemmung in Einzelteilen, rechts der passende Aufsteckeinsatz

 

Geht das auch günstiger? Ja, ich bin selbst mal kreativ geworden: Für mich stellt sich die Frage, wie man Schrauben gegen die Werkzeuge von Langfingern kostengünstig absichert, ohne sich damit bei der kleinsten Reparatur dabei selbst im Weg zu stehen. Es gibt im Fachhandel Sonderschrauben und Steckachsen z.B. mit Innenfünfkant, damit schreckt man zumindest Gelegenheitsdiebe ab, aber keine Profis. Ich suchte eher nach unkonventionellen Lösungen:

Diebstahlsichere Schrauben selber machenHeißkleber ist optimal, um Inbusschrauben plan zu füllen. Malt man den Kunststoff nach dem Erkalten noch mit einem Lackmalstift in Schraubenfarbe an, kann das beim Diebstahlversuch zumindest für Verwirrung sorgen. Wird die Schraube mit erwärmt, geht der Kleber nur noch sehr schwer wieder heraus. Hiervon rate ich in eigenem Interesse ab, ansonsten geht es ganz leicht… einfach mal selbst ausprobieren. Die Inlays können sogar mehrfach verwendet werden. Es geht optisch sicherlich noch viel perfekter als auf dem Foto mit den ersten Proben. Für ganz sichere Verbindungen kann der Schraubenkopf auch mit silberfarbenem Metallspachtel gefüllt werden. Der lässt sich aber kaum noch entfernen.

 

Schrauben mit Magneteinsätzen gegen Diebstahl gesichertInnensechskantschrauben können auch mit sehr starken Kugel oder Zylinder-Magneten z.B. von Neodym verschlossen werden. Auch hier kann ein Teiledieb keinen Schlüssel mehr ansetzen, außer er hat einen noch stärkeren Magneten dabei. Es gibt 10er- oder 20er Sets für ein paar Euro bei amazon. Für eine Sattelstütze oder Schraubachsen passt z.B. die Magnetkugelgröße mit der Angabe 4-5 mm. Für größere Inbusschrauben an älteren Rädern sind 6 mm Kugeldurchmesser passend. Achtung, die  Magnete sind ultrastark und gehen nicht leicht wieder heraus. Auch nicht mit einer Nadel…

 

 

Zylinder-Magnet als Diebstahlsicherung für InbusschraubenBestellen Sie einfach ein 10er-Set Magnete und finden sie selbst heraus, wie es funktioniert. Beim nächsten Plattfuss den starken Magneten im Flickzeug nicht vergessen, sonst stehen Sie allein im Regen. Laut Langzeittests von eine anderen Radlern können die Magnete mit der Zeit rosten, da sie alle Metallpartikel anziehen. Es kann also sinnvoll sein, die Kugeln oder Zylinder vorher mit einem Schutzlack zu behandeln. Beim Fixieren unbedingt genügend Abstand von elektrischen Geräten wie z.B. Fahrradcomputern halten. Auch an Datenträgern, Smartphones GPS-Geräten haben starke Magnete selbstverständlich nichts verloren.

 

Szenario 5: Tarnung von wertvollen Fahrrädern durch optisches Altern

Dreckige Fahrräder schützen vor Diebstahl

Wer legt hier schon gerne Hand an?

 

Wie lässt man ein gutes Fahrrad möglichst unattraktiv erscheinen?


  • Rahmen und Felgen mit wasserlöslicher Farbe beschmieren
  • Mehrmals bei schlechtem Wetter fahren, das Rad aber nicht putzen
  • Sattel geflickt erscheinen lassen indem er stellenweise mit braunem Paketband umwickelt wird
  • Begehrenswerte Teile wie Naben, Schaltung und Cantilever-Bremsen mit Öl befeuchten und anschließend mit Sand panieren. Achtung: Öl niemals auf Bremsflächen wie Felgen- Scheibenbremsen oder Bremsbeläge verteilen
  • Sattelstütze und Lampen mit Tesakrepp umwickeln, Heißkleber auf den Vorbau tropfen lassen. Dieser lässt sich von kalten Metallen leicht entfernen, wenn sie vorher nicht erwärmt wurden
  • Scheinwerfergehäuse mit Gewebeband „flicken“
  • Viele, hässliche Radreflektoren benutzen
  • Markenlogos mit wiederlösbaren Aufklebern bekleben
  • Bowdenzüge mit Draht umwickeln
  • Schmutzige Nabenputzringe oder Stoffreste verwenden, um hochwertige Naben zu verstecken
  • Ohne Pedale kann man nicht wegfahren: Steckpedale für Falträder können während des Parkens einfach abgezogen werden
  • Den eigenen Namen gut sichtbar in den Rahmen gravieren (z.B. mit einem „Dremel“) oder das Rad codieren lassen (siehe unten)

 

Pinkes Fahrrad mit pinkem Schloss und pinken Reifen...

Sehr auffällige Fahrräder werden erfahrungsgemäß weniger oft gestohlen

 

Szenario 6: Ich möchte mein Rad mit einer Fahrradversicherung schützen

Zuhause ist der Drahtesel über die Hausratversicherung zwar oft mit versichert, aber… da gibt es weit hinten im Vertrag oft harte Auflagen. Viele Fahrradversicherungen bzw. Hausratversicherungen erkennen z.B. nur bestimmte Schlösser als echten Diebstahlschutz an oder haften nur tagsüber. Plant man für teure Räder außerhalb seiner vier Wände eine zusätzliche Fahrradversicherung abzuschließen, sprechen plötzlich hohe Versicherungsgebühren dagegen.

Fahrradversicherungen außerhalb der Hausratversicherung sind aus gutem Grund ziemlich teuer, außerdem rate ich unbedingt das Kleingedruckte zu lesen: „Im Keller fest anzuschließen“, „keine Haftung zwischen 0.00 und 6.00 Uhr morgens“, „Selbstbeteiligungspauschale bei Jobrädern“ usw. Je länger man sich mit den Auflagen der Versicherungen beschäftigt, desto kleiner wird das Gefühl sich wirklich in Sicherheit wiegen zu können. Aus meiner Sicht macht eine Fahrradversicherung daher z.B. nur bei teuren E-Bikes Sinn. Letzten Endes trägt man selbst die Verantwortung, ein leichtes Opfer vom Volkssport Fahrradklau zu werden.

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Szenario 7: Helfen Codierung, Fahrrad-Alarmanlagen und GPS-Tracker gegen Diebstahl?

Alarmanlagen für Fahrräder reagieren auf Erschütterungen bzw. Lageänderungen und geben dann akustische Signale von sich. Prinzipiell ist das Wirkprinzip eine gute Sache, aber im Alltag wird es kaum eine Menschenseele geben, die bei einem Fahrraddiebstahl mit Signalton aktiv eingreift. Ein anderes Szenario ist viel wahrscheinlicher: Es werden eher  Fehlalarme ausgelöst, die Ihre Mitmenschen nerven. Zu bedenken ist auch, dass die Energiequelle einer Alarmanlage geladen werden muss. Leider bietet der Markt für Fahrräder auch keine qualitativ hochwertigen Alarmanlagen an. Billige Chinaprodukte nerven eher mit Kinderkrankheiten, als das sie einen Diebstahl vereiteln könnten. Ein Videobeispiel für das Handling einer Fahrradalarmanlage.

Auf den ersten Blick erscheinen auch die neuen GPS-Tracker für Fahrräder sehr interessant. Getarnt als Rücklicht senden sie bis auf ein paar Meter genau Signale auf das Smartphone des Eigentümers über den jeweiligen Standort seines Fahrrads. Die Technik dieser Peilsender ist zwar noch nicht bei jedem Produkt ganz ausgereift, erscheint mir aber zukünftig bei der Fahrzeugortung sehr vielversprechend. Auf den zweiten Blick begibt man sich plötzlich auf zeitraubende Verbrecherjagd und tut vielleicht selbst Dinge, die strafbar sind. Dieses Youtube-Video klärt über die Grenzen des GPS-Trackings bei Fahrraddiebstählen auf. Mein Fazit: Ohne Hilfe der Polizei bekommt man sein Rad auch via GPS-Tracker nicht so einfach zurück, weil es hinter verschlossenen Türen steht. Hersteller sind z.B. Velocate oder Spybike.

Die Fahrradcodierung (früher Fahrradregistrierung) über die örtliche Polizei ist eine Maßnahme die zumindest beim Verkauf von geklauten Fahrrädern etwas abschreckend wirkt, denn sie sind dann unter Hehlern natürlich weniger wert als ohne das Branding des Eigentümers. Bei Leichtbaufahrrädern mit Alu- oder Carbonrahmen kann statt einer materialabtragenden Gravur auch ein Aufkleber genutzt werden. Polizei, ADFC und Fahrradhändler führen die Codierungen für 10-15,- EUR durch. Sie benötigen den Kaufbeleg des Fahrrads und Ihren Ausweis. Nähere Informationen über das Verfahren gibt es hier. Die Codierungsverfahren sind bis heute bundesweit nicht einheitlich und nicht ganz unumstritten. Es ist eine wirkungsvolle Präventionsmaßnahme, die das Rad nach einem Diebstahl aber keinesfalls automatisch wieder seinem Besitzer zuspielt. Befürworter sprechen von einer Aufklärungsquote von 30% durch die Codierung, teilweise sogar noch bevor der Besitzer den Verlust bemerkt und zur Anzeige gebracht hat. Zumindest kann im Fundbüro oder bei einer polizeilichen Zufallskontrolle der wahre Besitzer ermittelt werden. Trotzdem ist ein gestohlenes Rad in Deutschland in neun von zehn Fällen für immer weg!

 

Szenario 8: Was tun, wenn das Fahrrad gestohlen wurde?

Viele Betroffene haben weder die Rahmennummer, noch ein Foto oder einen Kaufvertrag bei einem gebraucht gekauften Rad. In Zeiten von Smartphones ist das ein Frevel, denn alles drei kann man eben mühelos fotografieren – natürlich nur, wenn das Rad noch da ist. Die Polizei bietet neben einem downloadbaren Fahrrad-Pass auch eine Fahrrad-Pass-App an, mit der rechtmäßige Besitzer zugeordnet- sowie gestohlene Räder identifiziert werden können.

Weitere Tipps nach einem  Fahrrad-Diebstahl:


  • Eine Anzeige bei der örtlichen Polizei erstatten, am besten persönlich
  • Die Fahrraddiebstahlschutz-Versicherung bzw. die Hausratversicherung informieren, wenn das Rad aus dem verschlossenen Keller oder der Garage entwendet wurde
  • Ein Annonce „Fahrrad gestohlen“ mit Foto z.B. bei Ebay-Kleinanzeigen aufgeben, entweder als gesucht oder als 1-Euro Artikel. Dies wird Hehler auch vielleicht davon abhalten das Rad hier anzubieten.
  • Flugblätter mit Foto an der Stelle aufhängen, an der das Rad gestohlen wurde „Zeugen gesucht“, Finderlohn anbieten
  • Von Zeit zu Zeit beim Fundbüro der Stadt nachfragen
  • In Online-Fahrrad-Foren oder sozialen Medien im Bereich „Gestohlen“ oder unter radklau.org , fahrrad-gestohlen.de einen Beitrag erstellen

Wer sein Rad später selbst wiederfindet, darf es nicht einfach mitnehmen, sondern muss die Polizei verständigen. Sie bleiben aber trotzdem der rechtliche Eigentümer, auch wenn das Rad z.B. auf einem Flohmarkt an einen neuen, gutgläubigen Besitzer verkauft wurde.