Shimano Naben Vergleichstest

Das Foto zeigt die Shimano 8-Gang Nabenschaltung Nexus Premium. Es gibt noch die Nexus Standardvariante ohne den ehemals rotem Streifen, Alfine 8-Gang, Alfine 11 Gang, Nexus mit Rücktritt oder für Roller- oder V-Brakes und eine unglaublich diffuse Serienstreuung mit verschiedensten Qualitätsaussagen im Netz. Bringen wir mal Licht in den Dschungel der Shimano Nabenschaltungen, die sich schon spürbar voneinander unterscheiden, vor allem in der Qualität für Viel- und Schnellfahrer-Innen. Dokumentiert sind die Unterschiede der Shimano Naben leider so gut wie nie. Es gibt Explosionszeichnungen bei Paul Lange, aber wer steigt da schon durch? Mein Anlass für diesen Artikel.

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Shimano Nabenschaltungen – Wissenswertes vor dem Kauf

Egal was an Shimano Nabenschaltungen eingebaut ist, der Radhändler wird es Ihnen als problemlos, pflegeleicht und völlig komfortabel unterjubeln. 100.000-fach verkauft, Sie können eigentlich damit gar keinen keinen Fehler machen. Das wird er oder sie sagen. Sie wollen einen Rücktritt wie 1980? Mit der Shimano Nexus kein Problem, das Modell gibt es sogar mit Rücktritt. Leider ist genau diese Version recht anfällig, man hört oft Klagen in den Fahrradforen: „Die Nabe mit Rücktritt hielt keine 500 Kilometer“,  „China-Schrott durch billige Produktion“, usw. … glaube ich persönlich alles. Die Qualität der Naben hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Viele ehrliche Radhändler bestätigen, dass die Naben ganz unterschiedlich leicht laufen und bestreiten nicht, dass es bei Shimano zeitweise „Problemnaben“ gab bzw. immer noch gibt. Das Ganze ist für Omas Stadtrad auch gar nicht so relevant, denn die 8-Gang Nexus wird bei der typischen Zielgruppe „Anspruchslos 50+“ über 200 km im Jahr wahrscheinlich halten. Probleme gibt es vor allem, wenn ein Rad wirklich sportlich gefahren wird. Ich möchte zur Shimano Nexus 8-Gang Schaltung zwei Geschichten erzählen, die ich in den letzten 10 Jahren erlebt habe:

 

Shimano Nexus 8-Gang Premium SG-8R25 mit rotem Streifen

Nexus Premium Naben Test2005 kaufte ich ein Stevens City-Flyer (unter 12 kg) mit einer Shimano Nexus 8-Gang Premium Nabenschaltung und bin bis heute begeistert. Die Nabe hat mittlerweile 7000 km runter, der 4. Gang ging immer etwas schwerer als alle anderen und knackt häufig, aber ansonsten eine sehr zuverlässige & unkomplizierte Schaltung, mit der ich jetzt noch gerne Touren fahre. Das ist die Shimano Nexus Premium-Freilauf-Version ohne Rücktritt, äußerlich erkennbar am roten Streifen. Vor 10 Jahren sehr gut. Heute immer noch sehr gut und auch gebraucht noch ein gesuchtes Ersatzteil.

 

Shimano Nexus 8-Gang-Standard SG-8R31

Shimano Nabenschaltungen Vergleichstest2011 kaufte ich ein Dahon Bullhead Faltrad (zum ersten & letzten Mal ein Rad aus dem Internet) mit einer Shimano Nexus 8-Gang Standard Nabenschaltung und war von der Schaltung enttäuscht. Im Gegensatz zur Premium-Version fehlen der optisch identischen Nabe (äußerlich ohne roten Streifen) die leichtgängigen Nadellager. Diese wurden durch billige Gleitlager ersetzt und erzeugen ca. 2-3% mehr innere Reibung. Dies ist z.B. spürbar an den Pedalen, die sich im Freilauf beim Rollen ständig mitdrehen wollen. Mehr noch, mein vierter Gang machte Geräusche und rubbelte spürbar. Ich schickte das Hinterrad ein, es wurde auf Kulanz repariert. Zurück kam ein neu abgeschmiertes Hinterrad, dass vor allem bei Kälte durch eine Fettfüllung noch schwerer rollte als vorher. Das bemerkte ich aber zu spät, denn die Geräusche waren erstmal weg. Im Frühjahr 2014 brachte ich das Rad dann zu einem Fahrradhändler mit der Bitte, alles Fett zu entfernen, nachzusehen und die Nabe zu ölen. Das Ergebnis war so lala… spürbar besser als vorher, aber dafür waren die Geräusche im vierten Gang wieder da. Das ganze Roll- und Freilaufgefühl war ganz weit entfernt, von der Qualität der Premium-Nabe aus meinem Stevens Cityflyer. Schade, denn das Dahon Bullhead ist wirklich kein schlechtes Rad. Eine weitere Anfrage 2015, was ein ganz neues 20″ Hinterrad mit einer neuen Shimano Nexus Premium Nabe kosten würde: Unglaubliche 380-420,- EUR!!! Mehr als die Hälfte des ganzen Faltrads. Ich fragte deshalb danach, weil die 28-Loch Shimano Nabe meines Dahon Fahrrads mittlerweile nicht mehr lieferbar ist und ich im Internet keine passende Nexus-Nabe mit 28 Löchern mehr finde. Auch nicht, wenn ich das Hinterrad selbst neu einspeiche. So muss ich mir wohl oder übel eine neue 36Loch-Felge und neue Speichen kaufen, um mir selbst ein 20″ Nexus- Premium 8-Gang Hinterrad einzuspeichen. Man kann es leider nirgends günstig kaufen.

Nachtrag: Ein problemloser > Umbau von Nexus Standard Schaltung auf die Premium-Nabe ist doch möglich ohne das Hinterrad auszuspeichen. 

 

Shimano Alfine

Shimano SG-C6010-8R

Nexus SG-C6010-8R in Schwarz, seit 2014 ohne roten „Premium Streifen“

Sehen wir uns neben der Shimano Nexus die Alfine-Nabe näher an. Sie sieht hochwertiger aus, ist aber gegenüber der Nexus vielleicht nur einfach schwarz lackiert. Hier gibt es keine Premiumversion mehr, dafür aber eine 11-Gang Alfine Nabe, die sehr viel teurer als die 8-Gang Alfine ist. Laut Fachhändler sollen beide Alfine-Versionen besser laufen, als die günstigeren Nexus-Varianten, die Shimano mittlerweile ebenfalls auf Wunsch in Schwarz (-matt) lackiert. Den roten Streifen der älteren Nexus-Premiumversion gibt es seit 2014 nicht mehr. Die Shimano Naben können jetzt nur noch über die aufgedruckte Serien-Nr. erkannt werden. Es ist von Shimano nie genau gesagt worden, wie sich die Alfine- und Nexus Premium- Nabe voneinander unterscheiden. Zwei klare Unterschiede werden gern unter den Tisch gekehrt: Die Alfinenabe kann mit einer Scheibenbremse geliefert werden, das gibt es bei der Nexus nicht. Und der „schicke“ RapidFire-Hebel besteht bei der Alfine aus einem Daumenschalter, mit dem man pro Hub immer nur 2 Gänge herauf- oder herabschalten kann. Was sich nach einem kleinen Detail anhört, ist bei der günstigeren Nexus besser gelöst: Man bremst an einer roten Ampel aus hoher Geschwindigkeit ab und kann mit einem Drehschalter mit einer mühelosen Bewegung vom 8. in den 1. Gang schalten. Das ist ein echter Vorteil. Soweit mir bekannt, ist der Drehgriff auch mit der Alfine kompatibel und kann für relativ kleines Geld nachgerüstet werden.

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Unterschiede von Alfine 11-Gang und Alfine 8-Gang

3 Gänge mehr spreizen den Wirkungsgrad einer Nabe natürlich immens, aber es gibt leider eine kleine Tücke: Die 3 Gänge liegen alle über dem 5. Gang. Der fünfte Gang ist aber bei Shimano der Beste, weil er als einziger ohne Getriebe-Übersetzung auskommt und die Kraft vom Kettenblatt fast 1:1 auf das Hinterrad überträgt. Im Normalfall sind Nabenschaltungen also so konstruiert, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit möglichst in einem Gang ohne Getriebe gefahren werden kann. Denn hier geht es dann leicht ähnlich einer Kettenschaltung, fast ohne Reibungsverluste – bis auf die Reibung der Kettenglieder selbst.

Die 11-Gang Alfine-Version verschenkt dadurch meiner Ansicht nach ihr eigentliches Potenzial, denn Ihre zusätzlichen 3 Gänge liegen alle über dem reibungsarmen 5. Gang. Schade, denn die Gesamtübersetzung wird bei 11-Gang-Alfine-Naben natürlich insgesamt runtergestuft. Heißt auf Deutsch: Der ehemals leichte, fünfte Gang liegt weit unterhalb der Durchschnittsgeschwindigkeit, weil trainierte Radler bei einer 11-Gang-Schaltung eher im 6. oder 7. Gang fahren. Die Gesamtabstufung der Alfine-11-Gang-Nabe darf also in Frage gestellt werden, weil der ehemals leichte, 1:1 übersetzte, fünfte Gang nicht mehr im Bereich der Durchschnittsgeschwindigkeit liegt, sondern eben deutlich darunter. Ich fahre mit der 11-Gang-Alfine also im 6. oder 7. Gang von 11 Gängen und muss ständig das Planetengetriebe mit all den Reibungsverlusten bewegen. Die alte Nexus im 5. Gang (also 1:1 ohne Rädchen übersetzt) läuft da sicherlich einen Tick leichter. Das wäre aber gegenüber der 11-Gang-Alfine ein übereiltes Urteil, denn diese läuft zusätzlich in einem permanenten Ölbad.

 

Shimano Alfine 11 Gang läuft permanent im Ölbad

Der große Vorteil der Alfine 11-Gang-Nabe, liegt für mich nicht in den 3 Gängen mehr, sondern in ihrer leichtgängigen Perma-Ölfüllung, die dadurch ein leichteres Treten ermöglicht, als alle Nexus-Versionen samt der Alfine 8. Es gibt genau aus diesem Grund sogar Fahrrad-Freaks, die eine Shimano 8-Gang-Nexus-Schaltung auf Ölfüllung umgebaut haben: Nabe auseinander nehmen, Loch in die Trommel bohren, Ölnippel reindrehen, alles peinlich säubern, wieder zusammenbauen und eine leichtgängige Öl-Füllung á la Rohloff genießen. Ganz so einfach ist das aber nicht, ohne Shimano-Spezial-Werkzeug, Übung und Know-how die Nexus öldicht zu bekommen. Ein Ölwechsel bringt es übrigens an den Tag: Alle Getriebnaben erzeugen kleine Metallsplitter, die als Öl-Metallsumpf nicht heraus können, sondern die Mechanik verschleißen lassen.

Shimano Nexus Wartung und Schmierung

Shimano Nexus 8 Innenansicht vor der Wartung

Deshalb empfiehlt Shimano regelmäßig einen Ölwechsel bzw. bei den geschlossenen Naben-Versionen ein regelmäßiges Tauchen der Innereien in einem Ölbad. Details zur Wartung der Shimano Nexus gibt es hier. Die Ölfüllung der Alfine 11-Gang ist theoretisch sehr reizvoll. Praktisch (er)fuhr ich bei einer Probefahrt auf einem teurem Cannondale BadBoy mit Shimano 11-Gang Alfine allerdings, dass sich auch hier die Pedalen im Freilauf gerne mitdrehen wollen, weil die innere Reibung der Nabe wohl doch relativ hoch ist. Bei einer Kettenschaltung passiert das jedenfalls nicht. Auch nicht bei einer billigen.

 

Wieviel Kraft mehr kostet eine Nabenschaltung im Vergleich zu einer Kettenschaltung?

Rohloff SpeedhubEin durchschnittlicher Radfahrer erzeugt auf einer Tour ca. 120 – 140 Watt. Eine Getriebenabe verschwendet durch die innere Reibung abhängig vom jeweilig eingelegten Gang zwischen 5 – 9 Watt. Das ist im Gegensatz zu einer Ketttenschaltung schon spürbar (die aber sauber sein muss, sonst hinkt der Vergleich), da die Nabe damit ungefähr so stark bremst wie ein Nabendynamo mit Beleuchtung bei 25 km/h.

Die edle Rohloff Speedhub bremst im Gegensatz zu Nexus, Alfine und Co nur halb so stark. Außerdem hat sie eine Zulassung für Tandems, auch das fehlt den Shimano Naben. Die Rohloff Getriebenaben sind für mich persönlich der beste Kompromiss zwischen Wartungsfreiheit & Leichtläufigkeit an einem schnellen Rad für weite Touren. Weitere technische Details zu teureren Nabenschaltungen findet man übrigens unter fahrradzukunft.de, einer hochinteressanten Fahrradwebsite. Auch die Wikipedia bietet eine interessante Seite über die Geschichte der Nabenschaltungen.

 

Wie man Defekte und Reparaturen von Shimano Nexus- und Alfine- Schaltungen vermeidet

  • Eine leichte Geräuschkulisse beim Schalten und beim Treten von Shimano Nexus & Alfine ist normal.
  • Wird die Getriebeeinheit wie von Shimano empfohlen in Öl getaucht, werden die Geräusche meist zurück gehen. Die Nabe schaltet sich danach angeblich wieder leichter und präziser. Siehe sheldonbrown.com/nexus8.shtml
  • Schaltvorgänge sollen ausschließlich ohne viel Kraft beim Treten erfolgen,
  • Ein Anfahren am Berg in hohen Gängen in den Pedalen stehend mit viel Kraft ist unbedingt zu vermeiden, die Mitnehmer / Achsnasen durch das hohe Drehmoment sonst abbrechen können. Siehe Fotos rideyourbike.com/shimanoaxleunit Bei ganz steilen Bergen also lieber absteigen und ein Stück schieben.
  • Die Anzugsdrehmomente der Achmuttern samt der Montage der geriffelten Scheiben im Ausfallende sind zu beachten. Die Achse muss sonst ungewöhnliche Drehmomente aufnehmen, für die Sie nicht konstruiert wurde. Shimano hat versucht, eine möglichst leichte Nabe zu bauen und auf überdimensioniertes Material mit viel Sicherheit zugunsten des Gewichts verzichtet.
  • Die meisten Shimano Naben verschleißen im Alltag immer noch durch eindringende Feuchtigkeit und Schmutz. Falls Wasser eingedrungen ist, rostet die Nabe von innen bis sie schrottreif ist, wenn sie nicht demontiert und getrocknet wird. Siehe diese Fotos

 

Technische Zusammenfassung

Nexus Standard Inter 8

Wirkungsgrad: 90-92 Prozent

Planetenräder: Gleitlager

Gewicht: ca. 1,9 – 2,1 kg

Drehgriffschalter

Übersetzungsbereich 307 %

Preis: Ca. 120,- EUR

Nexus Premium Inter 8

Wirkungsgrad: 96 Prozent

Planetenräder: Nadellager

Gewicht: ca. 1,8 kg

Drehgriffschalter

Übersetzungsbereich 307 %

Preis: Ca. 150,- EUR

Alfine 8

Wirkungsgrad: 96 Prozent

Planetenräder: Nadellager

Gewicht: 1,6 kg

Daumenschalter

Übersetzungsbereich 307 %

Preis: Ca. 200,- EUR

Alfine 11

Wirkungsgrad: 96 Prozent

Planetenräder: Nadellager

Gewicht: 1,7 kg, Ölbad

Daumenschalter

Übersetzungsbereich 409 %

Preis: Ca. 370,- EUR

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Fazit Shimano Nabenschaltungen im Vergleich


  • Shimano hat zwei Serien, die wieder in jeweils zwei Modelle gegliedert sind.
  • Es gibt die Nexus 8 und Nexus 8 Premium. Premium hatte als Erkennungsmerkmal mal einen roten Ring und läuft leichter, da Nadellager statt Gleitlager verwendet werden. Beide Nexus-Naben haben keine Perma-Ölfüllung. Es gibt Chargen der Nexus 8 Standard mit Rücktritt, die reihenweise Defekte haben. Die Serienstreuung ist hoch.
  • Die Rücktrittversionen der Nexus haben laut Internet häufiger Defekte, als die Freilaufversionen für V-Brake oder Rollerbrake.
  • Alfine 8 und Alfine 11 sind oft besser verarbeitet. Die 8er Alfine ist wahrscheinlich nur eine schöner designte Nexus 8 Premium in besserer Fertigungsqualität. Die 11er Alfine kostet gleich 200-300,- EUR mehr, hat 3 Gänge mehr nach oben und läuft im Ölbad.
  • Alle 4 Shimano-Naben laufen im 5. Gang mit einer 1:1 Übersetzung, dieser spart Kraft, wenn er in der persönlichen Durchschnittsgeschwindigkeit liegt.
  • Der 4. Gang geht bei Shimano immer etwas schwerer als alle anderen Gänge.
  • Für die meisten Freizeit-Radler ist es sicherlich sinnvoll die Übersetzung einer Nabenschaltung leicht in Richtung Bergsteigefähigkeit zu ändern, indem man das hintere Ritzel tauscht (1-2 Zähne mehr), da die theoretische Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 24 km/h oder schneller kaum erreicht wird. Ich schätze sie liegt bei ca. 18 km/h.
  • Eine gute Übersicht deutschsprachiger Montageanleitungen zur Shimano Nexus- und Alfine Schaltung. Die Händleranleitungen sind besonders lesenswert.