Thorfire BL02 Fahrradscheinwerfer-Test

Einmal im Leben einen richtig hellen Scheinwerfer am Fahrrad haben. So wie andere Verkehrsteilnehmer auch. Das wärs doch, dachte ich mir im tiefsten Winter und bestellte mir als Testexemplar einen Thorfire-BL02-LED-Scheinwerfer. Die Lampe gilt international als echter Chinakracher am Fahrrad: Sie ist klein und schwer, sie blendet den Gegenverkehr, sie generiert einen kreisrunden Punktstrahl, sie ist billig und in Deutschland natürlich nicht zugelassen, sie hat keine vernünftige Halterung, wird heiss, aber dafür ist sie unglaublich hell. Wer braucht so einen unvernünftigen Fahrradscheinwerfer? Zum Beispiel alle MTB-Biker, die nachts auf dunklen Pfaden rumbrettern. Im Straßenverkehr sollte man die Thorfire BL02 hierzulande lieber gleich vergessen. Obwohl… mir fallen gerade tausende von Situationen auf dem Rad ein, wo ich so ein Laserschwert liebend gern als Warnung für motorisierte Wildschweine eingesetzt hätte:  Geht als schmerzhafter Licht-Taser durch alle illegalen PKW-F*folien hindurch wie Butter. Aber gut, lassen wir das, es ist aus gutem Grund nicht erlaubt.

   

Thorfire-BL02 Paketinhalt des LED Scheinwerfer-Sets für FahrräderNach sage und schreibe sechs Wochen Wartezeit, kam das via Ebay bestellte Thorfire BL02-Testexemplar bei mir aus China an. Der Karton enthielt den LED-Doppelscheinwerfer aus vollem Aluminium, einen Akku samt Tasche, ein Ladegerät mit EU-Stecker, vier kräftige Gummiringe zur Befestigung am Lenker und eine sehr schmallippige Anleitung. Der Akku war komplett entladen und musste für ca. fünf Stunden aufgeladen werden. Er kommt ohne jegliche Kennzeichnung. Angeblich handelt es sich um ein “18650 Lithium Battery Pack” mit 8800mAh.

 

 

Thorfire LED Scheinwerfer TestBeim ersten Einschalten wurde es ziemlich hell in meinem Zimmer. Laut Hersteller kann die Energieversorgung des Scheinwerfers auch aus einem USB-Powerpack kommen (Anmerkung: Sofern es mindestens 2 A hat). Bei der Volt-Zahl bin ich mir leider nicht ganz sicher, denn das Ladegerät verspricht per Aufdruck 4,2 Volt bei 1 A. USB hat ja fünf Volt, ein passendes USB-Kabel für ein USB-Powerpack liegt der EU-Version mit festem Stecker leider auch nicht bei. Vielleicht hat das auch einen guten Grund. Das Ladegerät macht einen billigen Eindruck sowie leichte Fiep-Geräusche beim Laden. Trotzdem werden weder der Akku noch das Ladegerät beim Laden sonderlich warm.

 

Der wasserrestistente Thorfire-Scheinwerfer schaltet sich über einen Gummischalter in drei Helligkeitsstufen, ein Doppeldruck erzeugt einen Stroboskop-Effekt. Ein längerer Druck auf den Schalter lässt das gleißend helle Licht wieder erlöschen. Der entstehende, symmetrische Punktstrahl blendet in allen drei Helligkeitsstufen von etwas lästig bis unerträglich. Die Leuchtzeit beträgtlaut Hersteller 2 Stunden auf hellster- 6 Stunden auf mittlerer- und 24 Stunden auf niedrigster Stufe. Getestet habe ich das bisher nicht, wahrscheinlich sind das etwas optimistische Angaben. Der massive Scheinwerferteil aus Aluminium mit den zwei CREE-LEDs macht qualitativ einen hochwertigen Eindruck.

 

Thorfire BL02 Test-Montage

Durch die symmetrische Optik kann die Thorefire-BL02 auch unauffällig unter dem Lenker einfach über Kopf montiert werden. Der Akku wird in seiner nicht wasserdichten Tasche mit einem Klettverschluss am Rahmen befestigt. Das ganze Scheinwerfer-System ist nach dem Laden “Out-of-the-box” startbereit, aber für meinen Geschmack nicht sonderlich zuverlässig am Fahrrad fixiert. Jedenfalls nicht für MTBs. Der Lampenwinkel verstellt sich während der Fahrt allein durch das Überfahren von Unebenheiten. Der jeweilige Leuchtstatus Schwach-, Mittel- oder Starklicht ist nur an der Helligkeit beim Durchschalten zu erkennen. Eine LED nach hinten signalisiert den Ladezustand des Akkus.

 

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Der Thorfire-BL02-Scheinwerfer erzeugt Stadionbeleuchtung am Rad

Thorfire BL02 Scheinwerfer in der Nacht

Die Thorfire BL02 erzeugt ein gleißend helles Fernlicht wie am Motorrad. Die hier gezeigten Fotos wurden nicht nachbearbeitet!

 

Verglichen mit meiner verkehrsgerechten Busch und Müller Ixon IQ und der Litecco Brillian, stellt der Thorfire Scheinwerfer alle anderen Lichtquellen restlos in den Schatten. In der höchsten Stufe ist es subjektiv sogar egal, ob die anderen Scheinwerfer noch mitbrennen oder nicht, die beiden CREE-LEDs des Thorfire BL02 erzeugen ein so extrem helles Fernlicht wie moderne Motorräder. An einem Fahrrad wirkt es schon fast unwirklich.

Allerdings strahlt das eiskalte Lichtschwert auch ungerichtet in den Himmel. Baumkronen, unter denen ich herfahre werden hell erleuchtet. Mein Auge muss sich auf den ersten Metern im stockdunklen Stadtpark erst an das helle Licht auch über mir gewöhnen. Bei leichtem Nebel in Gefrierpunktnähe erscheint mir der Strahl eher wie eine Stadionbeleuchtung als ein Fahrradscheinwerfer. Für unwegsames Gelände auf dem MTB sicherlich optimal. Schon die mittlere Leistungsstufe sorgt für eine sehr gute Ausleuchtung, die mindestens so hell erscheint, wie der Parallelbetrieb meiner beiden zugelassenen LED-Scheinwerfer von Litecco und B&M. In der höchsten Stufe werden diese einfach völlig überstrahlt. Aber der Lichtkegel der Thorefire scheint eben auch in alle Richtungen, statt gerichtet auf den Weg. Käme mir jetzt ein Spaziergänger im Park entgegen, würde dieser wahrscheinlich zu Staub zerfallen…

Die Leistung der beiden Thorfire-LEDs ist wirklich beachtlich. Für knapp 40,- EUR gibt es nichts zu meckern. Licht pur. Volle Pulle. Ungerichtet, gnadenlos weiß, hell wie die Sonne und deshalb leider nicht im Straßenverkehr zu gebrauchen, dafür aber downhill auf unwegsamen Pisten oder als Suchscheinwerfer nachts im Off Down Under sicherlich eine echte Bereicherung für Radfahrer. Zur Zuverlässigkeit des Akkus samt chinesischem Ladegerät, zur Laufzeit usw. kann ich nach diesem Test noch keine Aussagen treffen. Außer, dass der Scheinwerfer selbst recht gut verarbeitet ist, das Zubehör aber mein Misstrauen erweckt. Mir wäre es viel lieber, die Thorfire BL02 über ein eigenes USB-Powerpack zu betreiben, weder Akku noch Ladegerät wirken auf mich vertrauenserweckend. Für den Betrieb im Straßenverkehr müsste der Reflektor des Doppelscheinwerfers mindestens zu einem Drittel mit einer Blende abgedeckt werden. Legal wäre das dann natürlich immer noch nicht…

 

Technische Daten

Hinweis: Ohne Gewähr, da ohne Überprüfung aus Amazon-Bewertungen gefiltert


  • Vier parallel geschaltete 18650er LiPo-Akkus
  • 4 parallel geschaltete 2200mAh Li-Ionen Akkus der Baugröße 18650 ergeben 8800mAh
  • Das beigefügte Netzteil zum Laden der Akkus hat 4,36V
  • Die Akkuspannung beträgt unbelastet typische 3,8V
  • Low-Power-Verbrauch 400mAh , Mid-Power-Verbrauch 1700mA, und High-Power-Verbrauch 2800mA
  • Brenndauer 24 Stunden bei Low-Power, 6 h bei Mid-Power und 2 h bei High-Power
  • Der Akkustand wird hinten an der Lampe farblich angezeigt
  • Leuchtstärke max 1240 Lumen bei High-Power, 450 Lumen bei Mid-Power, 150 Lumen bei Low-Power
  • Leuchtweite laut Hersteller bis zu 350 Meter
  • Spritzwassergeschützt nach dem Taschenlampen-Standard IPX-6
  • Befestigung über zwei mitgelieferte, Stabile Gummibänder (O-Ringe),
  • Der Akkupack mit Klett-Nylontasche kann am Vorbau, am Rahmen oder am Gürtel befestigt werden
  • Die Thorfire-BL02 ist aus massivem, anodisiertem Aluminum gefertigt und für eine Helmfixierung zu schwer

 

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Visueller Leistungsvergleich von drei Fahrrad-LED-Scheinwerfern

Busch und Müller Ixon IQ Scheinwerfer

Busch und Müller Ixon IQ Scheinwerfer mit Zulassung

 

Litecco Brillian LED-Scheinwerfer

Litecco Brillian LED-Scheinwerfer mit Zulassung

 

Thorfire BL02 LED-Scheinwerfer

Thorfire BL02 LED-Scheinwerfer ohne Zulassung, laut Hersteller mit 1240 Lumen Lichtleistung

 

   

Fazit Thorfire BL02 Doppel-LED-Scheinwerfer im Test

Positiv


  • Bestechende Leuchtkraft am Fahrrad
  • Extrem heller Punktstrahl ähnlich wie beim KFZ-Fernlicht
  • Qualitativ hochwertige Anmutung des Scheinwerfers
  • Komplettes Paket, nach dem Aufladen sofort startbereit
  • Überkopfmontage am Fahrradlenker ohne Werkzeug möglich
  • Durchdachte Schalterfunktion
  • Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis

 

Negativ


  • Nicht blendfrei und ausdrücklich ohne StVZO-Zulassung in Deutschland
  • Bringt die LED-Lichtleistung nicht gerichtet auf die Straße, sondern leuchtet auch in den Himmel
  • Lenkerhalterung durch O-Ring ohne zusätzliche Fixierung auf Pisten für MTBs nicht ausreichend
  • Ein Remote-Schalter am direkt am Lenkergriff wäre angesichts der Lichtleistung extrem praktisch
  • Der Scheinwerfer wird bei leererem Akku langsam immer dunkler
  • Eingeschränkte Alltagstauglichkeit
  • Ladegerät und Akku wirken wenig vertrauenserweckend
  • Lange Ladezeit über 5 Stunden
  • Wochenlange Lieferzeit aus China über Ebay (bei Amazon soll es schneller gehen)

 

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Optimierungen und Handling im Alltag

Ein paar Fragen zum Thorfire BL02 sind auch nach diesem Test sicherlich noch offen. Ich kann sie erst beantworten, wenn ich den Scheinwerfer länger getestet habe. Leider ist das auf öffentlichen Straßen nicht möglich, sondern nur da, wo man andere nicht blendet. Wenn überhaupt, kann er nur auf niedrigster Stufe im Verkehr betrieben werden. Zusätzlich muss der obere Teil des Reflektors mit einem Stück Gummi oder ähnlichem abgedeckt werden. Als erstes Fazit kann ich den Scheinwerfer für alle MTBs empfehlen, die bei Dunkelheit im Gelände bewegt werden. Für Geländefahrten sollten Scheinwerfer und Akkuhalterung aber zusätzlich noch am Rad fixiert werden. Das dürfte mit etwas Bastelei relativ einfach zu bewerkstelligen sein. Z.B. indem der Scheinwerfer an der halbrunden Lenkerhalterung mit doppelseitigem Klebeband und einer kleinen Gummiplatte zwischen Lenker und Lampe unterlegt wird – wie beim Fahrradcomputer. Das Ganze muss allerdings verstellbar bleiben. Der Akku kann dauerhaft einfach in eine stabilere Tasche gelegt werden, das Kabel ist lang genug. Beim Parken sollte man ihn mitnehmen – auch die LED-Lampe selbst verfügt über keinen Diebstahlschutz. Hier würde zumindest ein stabiler Kabelbinder vor Gelegenheitsdiebstahl schützen.

Aussichten: Die Lichtstärke der BL02 ist wirklich atemberaubend. Mit einem auf die Straße optimiertem Reflektor samt KBA-Zulassung, einem direkten Schalter am Griff, einer diebstahlsicheren Halterung und einem besseren Ladegerät wäre die Thorfire auch in Deutschland ein Hochleistungs-Fahrradscheinwerfer, der sich hinter der Lichtleistung anderer Fahrzeuge nicht verstecken müsste. B&M hatte vor 10 Jahren mal einen Gasentladungs-Scheinwerfer mit der abenteuerlichen Bezeichnung “Big Bang” (Video-Demo) im Programm – dieser war mit mehreren hundert Euro für die meisten Radler wohl unbezahlbar – und ist es jetzt immer noch – auf dem nerdigen Fahrradteile-Gebrauchtmarkt. Schade, denn heute müsste es über die LED-Technik eigentlich viel günstiger gehen…