Roller - Lager tauschen

Rollerlager tauschen: Bei Rollen mit Metallfelge nicht ganz so einfach wie es zunächst erscheint…

Der simple Tausch von harten Rollen bzw. Laufrädern gegen Räder mit Luftreifen meines HUDROA Big Wheel Scooters war schwieriger als es zunächst schien. Um die Roller-Kugellager zu tauschen, müssen sie aus Metallfelgen mit extrem festem Sitz geschlagen werden. Im Gegensatz zu Rollern mit Kunststoffrollen bzw. den original Kunststofffelgen können die Lager hier nicht zerstörungsfrei mit einem einfachen “Skate-Tool” ausgehebelt werden. Warum wechselt man gleich die Kugellager von nagelneuen Laufrollen mit Luftreifen?

Bei Hudora rollten die Originallager der nachträglich gekauften Luftbereifung leider nur sehr schlecht. Die Kugellager waren zu weit bzw. zu fest eingeschlagen und hatten einen leicht rubbeligen Lauf ab Werk. Für knapp zehn Euro kaufte ich acht “Trixes Kugellager” mit sehr guter ABEC 9 Vergütung (was ist ABEC?) in der Standardgröße 8 x 22 x 7w. Der Hudora-Scooter hat vorn eine sehr große 230 mm Rolle und hinten eine immer noch große 205mm Kunststoff-Rolle mit üblicher PU-Bereifung. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Anbetracht des relativ niedrigen Gewichts ziemlich gut für einen Faltroller. Auch das Design ist bei Hudora makellos. Aber die Verarbeitung lässt dann doch hier und da zu wünschen übrig. Die Serienrollen aus Kunststoff waren in Ordnung, aber die nachträglich gekauften Aluräder mit der Luftbereifung bremsten den Spaß durch schlechte Lager wortwörtlich aus. Also tauschte ich die original Roller-Lager in den Metallrädern bzw. Alufelgen aus.

 

Wechseln der Rollerlager

Der Haken an der Sache nach dem Ausbau der beiden Scooter-Rollen: Sind die Laufräder aus Metall, sitzen die Kugellager oft extrem fest im Lagersitz. Bei Inlinern, Skateboards,  Rollerskates oder Scootern mit kleinen PU-Rollen können die Lager sehr leicht mit einem Scooter-Tool oder sogar nur mit einem 8mm-Bolzen oder einer alten Skateboard-Achse heraus gehebelt werden, da sie in dem flexiblen Kunststoff leicht gekippelt werden können. Bei einem harten Metallrad gleicht die Prozedur aber eher einem Radlagerwechsel beim Motorrad oder einem Motorroller. Man muss hier sehr präzise und mit dem richtigen Werkzeug arbeiten, sonst sind die neuen Lager gleich wieder schrottreif oder rollen nur schwergängig. Fehlt das passende Werkzeug wie z.B. ein passender Durchschlag, wird das Improvisieren z.B. mit einem stabilen Schraubendreher als schwierig. Denn ein Lager, was nicht rausgeht ist durch die ersten,  seitlichen Schläge oft sofort zestört. Es muss dann raus…

Das sanftere Einpressen per Schraubstock dürfte aufgrund des großen Rollendurchmessers für die meisten Hobby-Schraubstock-Besitzer wohl ebenfalls ausfallen.

   

Das benötigte Werkzeug für den Kugellagerwechsel: 


  • Ringschlüssel, um die Räder zu lösen
  • Durchschlag / Splinttreiber
  • Normaler Schlosserhammer
  • Stabiles Distanzstück, große Stecknuss, oder sehr stabile Pappröhre zum abstützen des Rads
  • Stecknuss mit der gleichen Außengröße der Lager ca. 22 mm
  • Lagerfett oder ersatzweise etwas Öl
  • Optional: Fön und Gefrierfach
  • Zeitaufwand ca. 10-30 Minuten

 

1. Passendes Distanzstück suchen

Distanzstück zum Tauschen des Roller-Kugellagers

Große Stecknuss als Distanzstück

Damit das Kugellager frei aus dem Rad herausfallen kann, benötigt man ein stabiles Distanzstück, welches den Hammerschlägen standhält. Ich habe hier einfach eine große Stecknuss aus meinem Ratschensatz benutzt und mit einem Tuch gegen die Leichtmetall-Felge gepolstert, da das Rad sonst sichtbare Macken bekommt. Eine sehr stabile Papprolle (z.B. doppelseitiges Klebeband ) tut es natürlich auch und vermeidet ebenfalls Kratzer. Zur Not kann das Rad außen auch mit mehreren Rollen oder einem Ring abgestützt werden. Tipp: Beim Motorrad werden die massiven Alu-Radnaben vor dem Herausschlagen der Radlager auf ca. 100 Grad Celsius erwärmt, dann geht es wesentlich leichter. Hier am Tretroller müssen dann aber die Gummireifen abgezogen werden, bzw. die Wärme sollte 50 Grad aus einem Fön nicht übersteigen.

 

2. Durchschlag ansetzen und Lager ausschlagen

Den Durchschlag leicht schräg ansetzen, um das erste Lager vorsichtig auszuschlagen

Ansetzen des Durchtreibers

Mit dem schräg angesetzten Durchschlag wird Halt auf dem Innenring des unteren Lagers gesucht und dann zugeschlagen. Erst von der einen – dann von der anderen Seite, damit es nicht verkantet. Das alte Lager ist danach mit ziemlicher Sicherheit kaputt, denn für seitliche Kräfte ist es nicht konstruiert.

 

Das zweite Lager vorsichtig herausklopfen

Das Lager fällt frei in das Distanzstück (Nuss)

Das bedeutet aber auch: Nach dem ersten Schlag auf die Seite des Skate-Lagers gibt es kein zurück mehr. Das Lager muss dann zwangsweise herausgetrieben und gegen ein neues ersetzt werden. Auch wenn es schwer geht…

 

Herausgetriebene Rollerlager aus dem Rad

Geschafft: Beide Lager sind draussen

Das zweite Lager geht erfahrungsgemäß leichter heraus, da der Durchschlag relativ gerade gehalten werden kann. Sind zwischen den Lagern lose Distanzhülsen eingelegt gewesen, müssen diese unbedingt wieder montiert werden, da sie die Anzugskraft beim Festschrauben der Rolle ausgleichen. Sind die Distanzstücke vergessen worden, muss ein Lager wieder ausgeschlagen werden, bevor die Rolle eingebaut werden darf. Das gilt auch für Inliner, Rollerskates, Skateboards usw.

   

3. Neue Kugellager einsetzen ohne zu verkanten

Vor dem Einschlagen die neuen Lager außen mit Fett bestreichen

So gehen die neuen Lager leichter in den Sitz

Bevor die neuen Kugellager eingesetzt werden, sollten die Lagersitze oder die Lager von außen mit Fett bestrichen werden. Dadurch gehen die neuen Lager erheblich leichter in die Passungen – uns später auch leichter wieder heraus. Auch hier gibt es wieder einen Trick: Um das Einschlagen zu erleichtern, können die Lager vorher ins Gefrierfach gelegt werden. Sie ziehen sich dadurch zusammen und gleiten leichter in die Passung. Noch leichter gehts natürlich, wenn die Passung des Rads zusätzlich erwärmt wird.

 

Einschlagen der neuen Lager mit einer Stecknuss

Einschlagen der neuen Kugellager

Beim Einschlagen darf keinesfalls auf die innere Hülse des Kugellagers gehämmert werden, da das Lager sofort Schaden nimmt! Das Eintreiben darf nur über den äußeren Mantelteil des Lagers erfolgen. Dazu habe ich einfach eine halbwegs passende Stecknuss benutzt. Zur Not kann eines der alten Lager benutzt werden. Wichtig ist, das neue Lager am Anfang nicht zu verkanten, sondern möglichst gerade einzutreiben.

 

Die neuen Lager werden in den Lagersitz geschlagen

Bündig eingeschlagen

Sobald sich der Ton beim Klopfen auch nur etwas ändert sitzt das Lager fest. Optimal ist es, wenn sich die eingesetzte Distanzhülse zwischen beiden neuen Lagern noch leicht bewegen lässt, aber nicht klappert. Das letzte Stück also ganz vorsichtig ohne Kraft einklopfen, sonst sitzen die neuen Lager unter Spannung und laufen nicht richtig leicht. Achtung: Die Spannung kann nachträglich nicht mehr verringert werden! Deshalb ist bei den letzten Schlägen wirklich echtes Feingefühl nötig. Lieber etwas zu lose als zu fest einschlagen.

 

Alternative Montage der Lager durch einpressen

Statt die neuen Lager einzuschlagen, können sie auch mit einer längeren Schraube und mindestens zwei alten Lagern eingepresst werden > siehe Videoanleitung. Das Einpressen kann bei Metallrädern aber sehr schwer gehen und erfordert natürlich die passende, stabile Schraube in der richtigen Länge sammt Mutter usw… Dieses Verfahren eignet sich besser für Kunststoffrollen – beispielsweise mit einem harten Kunststofflagersitz. Bei der Montage mit Kunststoffen darf übrigens keinesfalls Öl oder Fett eigesetzt werden, da dies das Material frühzeitig altern lässt. Aber zum Beispiel Vaseline oder zur Not Handcreme.

 

4. Räder am Scooter montieren

Scooter-Lager tauschen

Läuft jetzt ganz leicht!

Der Hudora-Tretroller lief nach dem Lagerwechsel erheblich leichter. Neben der spannungsfreien Montage der Kugellager macht vielleicht auch die Güteklasse “ABEC 9” (Speedlager) gegenüber den Serienlagern nochmal etwas besseren Lauf aus. Die Luftreifen laufen jedenfalls erheblich leiser und komfortabler als die harten Serien-Kunststoff-Rollen. Allerdings müssen die Reifen wirklich voll aufgepumpt sein, sonst bremsen sie den gewonnenen Leichtlauf wieder ein. Klarer Nachteil: Sie verlieren durch ihr geringes Luftvolumen relativ schnell den optimalen Druck und müssen alle zwei Wochen nachgepumpt werden, außerdem besteht ab jetzt natürlich die Möglichkeit eines platten Reifens. Dafür sorgen sie für deutlich mehr Komfort auf dem Scooter. Über Gehwegplatten, flache Bordsteine und rauen Asphalt gleiten die neuen Luftreifen des Rollers nahezu lautlos und mit deutlich weniger Vibrationen im Lenker als mit den harten PU-Rollen.

   

 

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