Radtour durch die Camargue

Eine Radtour durch Frankreichs schönsten Naturpark

Mit dem Fahrrad durch die Camargue im Spätsommer zu fahren ist die pure Erholung für Körper und Geist. Wer hier nicht entspannen kann, schafft es woanders auch nicht. Die unendliche Weite, das intensive Licht, die frische Meerluft, die intensive Natur verdienen es mit dem Rad erfahren zu werden. Alternative Mobilität bieten noch durch das Camargue-Pferd oder die eigen Füße. Mit dem Auto verpasst man die schönsten Ecken. Viele Wege sind für Autos und Motorräder auch gesperrt und selbst der eilige Radfahrer muss sehr oft anhalten, um sich die atemberaubende Landschaft anzuschauen. Es ist überwältigend.

Frankreichs Sumpflandschaft mit ihrer eigenen Flora und Fauna ist 1970 zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Ein Nebenteil der Rhône – die „Petit Rhône“ mündet hier ins Meer. Was sich beschaulich anhört, ist in Wirklichkeit das größte Flussdelta Westeuropas. Das riesige Schwemmland des Rhônedeltas ist gut für den Reisanbau, für Obst, Tomaten, Melonen und seltene Muscheln, die von ganz wenigen Muschelsammlern in mühsamer Handarbeit gesammelt werden. Es gibt hier rund 400 verschiedene Vogelarten, die Bekannteste ist gleichzeitig das Wahrzeichen der Camargue – der Flamingo in seinem rosa Federkleid. Schwarze Stiere und Camargue-Pferde leben oft noch in fast freier Wildbahn, werden aber gezielt für den Tourismus und die Stierkämpfe in Südfrankreich gezüchtet.

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Die Camargue ist eines der größten Feuchtgebiete Europas und damit flach. Für Radfahrer ist es hier immer dann paradiesisch, wenn nicht gerade der Mistral bläst. Es gibt einsame Landstraßen, sandige Wege, geschotterte Pisten und hunderte Trampelpfade, die ins Nirgendwo führen. Damit fällt ein Rennrad aus dem Beuteschema, alle anderen Räder können bedenkenlos eingesetzt werden. Je breiter die Reifen, desto mehr macht das Fahren auf den zahlreichen Sandpisten, am Strand nah der Wasserlinie und im Sumpf Spaß! Könnte ein Fahrrad noch irgendwie schwimmen, wäre es perfekt…

 

In der Camargue ist man immer überall direkt am Wasser

 Ausblick Ferienhaus in der Camargue Urlaubsdomizil Camargue bei Nacht

Mit dem Fahrrad in der Camargue Sonnenuntergang Camargue

Anfang September beziehen wir für 12 Tage unsere kleine Ferienwohnung  Mas Lou Faro in der Camargue. Die kleinen Unterkünfte heißen hier „Gîtes“. Der Ausblick von unserer Terrasse direkt am See ist traumhaft: Morgens kann man beim Frühstück erst die Enten- und dann die Fische füttern. Tausende von kleinen Babyfischen schnappen nach winzigen, fein zerriebenen Brotkrümeln. Abends lauscht man den vereinzelten Fröschen beim Sonnenuntergang und einem Glas Rotwein. Das kleine Apartment ist innen rosa gestrichen, spartanisch ausgestattet und wie hier im Süden der Grande Nation üblich eben „très Français“. Das sympatische Vermieter-Ehepaar stammt ursprünglich aus Belgien. Ein kleiner Röhrenfernseher zeigt uns pünktlich zum Abendbrot, was der Präsident von Madame Merkels Politik hält. Wir sind mit dem Auto angereist und haben unsere eigenen Fahrräder mitgebracht. Ein gut gewartetes Mountainbike aus den 90er Jahren und ein stabiles Dahon Faltrad. Zum Baguette kaufen müssen wir morgens schon gleich auf die Räder etwa 2 km nach Saintes-Maries-de-la-Mer fahren, da es hier im Hinterland keine Geschäfte gibt – dafür hat man seine absolute Ruhe inmitten der Natur.

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Als Naturschutzgebiet ist die Camargue zum Radfahren ideal

Radtour CamargueUnsere erste Radtour führt uns über die D85 zur „Bac du sauvage“, einer kleinen Autofähre, die uns mit den Rädern gratis auf die andere Uferseite der Petit Rhône bringt. Unser Vermieter erzählte uns, dass es hier vor der Fähre oft zu langen Staus kommt, da nicht alle Autos immer gleich mitgenommen werden können und die Fähre manchmal längere Pausen einlegt. Für Radfahrer und Fußgänger sei das aber kein Problem, da sie immer ein Plätzchen finden und immer gleich mitfahren können.

 

 

 

Radtour in der Camague Kurz bevor die Fähre mit unseren Rädern losfährt, habe ich gleich eine Gottesanbeterin am Bein. So ein imposantes Insekt habe ich vorher in freier Wildbahn noch nie gesehen. A propos Insekten: Es gibt zwar auch hier abends ein paar Mücken, aber erstaunlicherweise nicht sonderlich viele. Vielleicht liegt es am leicht salzigen Brackwasser, oder am starken Mistral, der für eine ständige Brise sorgt. Zusätzlich hatten wir noch einen elektrischen Mückenschutz über Nacht in unserem Zimmer – und damit unsere Ruhe.

 

 

Radtour auf leeren StraßenAuf sehr leeren Straßen kann man gerade auf dem Fahrrad die Natur in der Camargue besonders intensiv genießen. Der Straßenbelag ist angenehm glatt und nur hin und wieder überholt mal ein Auto. Das macht Fahrradwege fast schon überflüssig. 2013 sind wir hier wie fast alle anderen Radler noch ohne Fahrradhelm gefahren, mittlerweile würde ich auch hier zu einem Helm tendieren. Dieser schützt auch vor der Sonne, deren Intensität man durch die ständige, kühle Brise kaum bemerkt. Durch den Wind dehydriert man auf dem Rad auch besonders schnell, daher ist ein üppiger Wasservorrat auch bei jeder kurzen Radtour zu empfehlen.

 

Camargue PferdeDie weißen Camargue-Pferde leben teilweise noch halb in Freiheit, sind aber immer durch Ihren Besitzer „gebrandet“. Sie werden als Arbeitstiere- und zum Reiten verwendet und haben sehr breite Hufe, damit sie in den feuchten Böden nicht so schnell einsinken. Sie können auch unter Wasser mit geschlossenen Nüstern fressen. Sobald man die Pisten und Wanderwege verlässt, wird das Laufen und natürlich auch das Radfahren sehr anstrengend, denn das morastige Land ist wirklich schwer zu durchdringen.

 

 

Radfahren in der CamargueMein altes MTB stammt aus den wilden Studentenzeiten, fährt aber noch immer sehr gut. Ausgestattet mit breiten Ballonreifen und einem Getränkehalter für 1,5l Standard-PET-Flaschen ist es für die rauen Bedingungen hier auf den Pisten sehr gut geeignet. Besonders anspruchsvoll für Material und Radler werden die Radtouren hier, wenn es geregnet hat. Wir haben leider auch Autofahrer gesehen, die hier rücksichtslos mit gut 80 km/h über die nassen Lehmpisten sonntags auf Teufel komm raus zu ihrem Lieblingslokal schottern. Paris-Dakar lässt grüßen.

 

 

Camargue Bootstour Ein Ausflug mit dem Boot in das Hinterland der Camargue, der sich wirklich lohnt: Auf der Petit Rhône lässt sich die Landschaft besonders bequem erkunden. Zu sehen gibt es Stiere, samt Züchter, Gemüse- & Reisfelder, Vogelschwärme, antike Planwagen als Häuser und abenteuerliche, selbstgebaute Liegestellen für Boote. Auf dem Foto wird deutlich, dass die „kleine Rhône“ eher anmutet wie ein riesiger Strom. Erst hier auf dem Boot wird einem der unendliche Wasserreichtum des Rhônedeltas bewusst. Wenn man hier lebt, ist ein kleines Boot als Transportmittel genauso sinnvoll wie ein Fahrrad.

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Camargue-Radtouren


Camargue Radtouren in Google Maps öffnen. Nicht eingezeichnet ist die mögliche Tour nach Arles.

Tourenvorschläge: Vom zentral gelegenen Saintes-Maries aus mit dem Fahrrad starten


  • Tour 1: Bis Arles sind es ca. 45 km. Da es hier viel zu sehen gibt, bietet sich eine Übernachtung an, am nächsten Tag radelt man zurück (oder nimmt für einen Tagesausflug das Auto).
  • Tour 2: Über den Digue à la Mer gelangt man nach 32 beeindruckenden Kilometern nach Salin-de-Giraud. Je nach Kondition & Wetter kann die Tour auch kürzer gestaltet werden.
  • Tour 3: Von Saint-Maries in die historische Festungsstadt Aigues-Mortes sind es über die D85 mit dem Fahrrad 30 km (nicht ohne Karte radeln).
  • Tour 4: Von Aigues-Mortes nach Le Grau-du-Roi sind es nur weitere 8 km und von hier aus ist man nach 6 km in La Grande-Motte bzw. Port Camargue.
  • Tour 5: Rundtour von Sainte-Maries über die D38, dann via D85 die Fähre nehmen, weiter Richtung Norden radeln bis zum Landhaus Mas de Sylvereal, dann die gleiche Strecke- oder über die D38c und D38 oder D570 zurück. Die 32 km lange Tour haben wir zweimal gemacht, weil die Landschaft wirklich schön ist. Das kurze Stück auf der D38c ist allerdings schon stark mit Autos befahren.