Rumänien mit dem Fahrrad entdecken

Mit dem Fahrrad Rumänien entdecken – Teil 1.

Osteuropa ist auch ohne Fahrrad noch ein Abenteuerland. Vor allem das vom Pauschaltourismus noch immer unentdeckte Rumänien. Eigentlich wollten wir Siebenbürgen mit dem Fahrrad selbst bereisen, aber der Respekt vor der unbekannten Fremde ließ uns eine halb organisierte Radtour über eine rumänische Reiseagentur buchen. Bären, Wölfe, Hunde, Schlangen – für meinen Geschmack war das zum Kennenlernen von Land, Leuten und Verkehrsverhältnissen für Radler für das erste Mal prickelnd genug.

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Rumänische Straßen für Radfahrer

Rumänische Straßen sind für Radfahrer oft eine echte Herausforderung

Fährt man auf eigene Faust mit dem Fahrrad durch Rumänien, sollte man die Strecken vorher gut durchplanen. Hauptstraßen sind für Radler durch den starken Verkehr eher ungeeignet, Nebenstrecken können auf dem Rad viel mehr Freude machen, sie entpuppen sich allerdings oft eher als Pisten, richtige Radwege gibt es in Rumänien kaum. Unterwegs trifft man auch nicht viele Radfahrer, das Auto erobert derzeit die Straßen, mit all den Problemen, die wir in Deutschland seit 40 Jahren kennen. Auch in den größeren Städten sieht man kaum Fahrräder oder andere motorisierte Zweiräder. Dabei wächst die Parkplatznot für Autos schon jetzt ins Unerträgliche.

 

Radfahren in Rumänien

Rumänien bietet Radfahrern manchmal auch gute Straßen in wunderschöner Natur

Das Aufregende an diesem osteuropäischen Reiseland ist, dass sich Rumänien seit dem EU-Beitritt selbst gerade extrem modernisiert, dass es auf dem Land noch große Unterschiede zu Deutschland gibt, dass hier viele wilde Bären, Wölfe und Schlangen leben, dass die Straßen in schlechtem Zustand – oder nebst Radwegen schlicht nicht vorhanden sind und einem die Zecken bei jedem kurzen Halt sofort gierig die Luft aus den Fahrradreifen saugen. Ersatzteile für moderne Fahrräder? Nimmt man besser selbst von zuhause mit, exklusive Radläden gibt es in Rumänien nur ganz wenige und nur in Großstädten wie z.B. in Sibiu / Hermannstadt.

 

Schäßburg / Sighișoara ist ein absolutes Highlight in Rumänien

Schäßburg / Sighișoara ist ein Highlight unserer Reise

Wie sich im Lauf der Rundreise mit Fahrrädern in Siebenbürgen herausgestellt hat, sind es die vielen Kleinigkeiten, die winzigen kulturellen Unterschiede, die Rumänien für Reisende so interessant machen – ob nun mit oder ohne Fahrrad, jeder einzelne Tag der Reise war spannender, als 14 Tage Menorca. Es ist Anfang September 2015, wir kommen nach zwei Stunden Flugzeit auf den allerengsten Sitzen der Fluggeschichte in Sibiu mit Wizzair an. Der Schwerpunkt unserer Rumänien-Reise liegt auf dem Radfahren. Unsere Reiseagentur hat eine 12-tägige Rundreise in Siebenbürgen für uns ausgetüftelt, die grob in sieben Stationen eingeteilt ist:

 

Unsere Fahrrad Rundreise in Rumänien


  • Rășinari (wohnen in einer Dorf-Pension mit traditioneller, rumänische Kost)
  • Sibiu (Stadtführung)
  • Biertan (wohnen in einer restaurierten Dorf-Pension, Essen im Restaurant)
  • Schäßburg (Stadtbesichtigung)
  • Bran (Wohnen in einem Berghotel in Predelut) optional Besichtigung von Râșnov & Brașov
  • Balea Lac (eine Übernachtung auf der Halbinsel des Gletscher Sees in der Bâlea-Hütte)
  • Sibiu (eine Übernachtung in Pension, am nächsten Tag Rückflug)

Zu diesen Orten werden wir und unser Gepäck mit dem Auto gefahren. In grob geplanten Tagestouren erkunden wir die Umgebung dann je nach Kondition und Gusto auf eigene Faust mit den Fahrrädern. Es gibt Tourenvorschläge für Radler zwischen 12- und 60 km auf wenig befahrenen Straßen. Nach der Ankunft stellt sich heraus, dass sich einige (Copy & Paste-) Fehler in die Tourenplanung eingeschlichen haben. Sie werden von unserem Reiseführer Alex charmant korrigiert. Viele Fragen bleiben noch offen. Wir lassen uns überraschen. Es bleibt uns auch nichts anderes übrig.

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Rad-Rundreise in Rumänien in Google Maps öffnen

 

Rumänische Leihräder für Touristen

Bei der Übernahme unserer beiden Reise-Fahrräder durch unseren Fahrer wird wird mir dann doch etwas anders: „Unisex“ im Internet heißt hier in Rumänien für mich und meine Partnerin jeweils ein schweres Damenrad mit Federgabel, Federsattel, Nabendynamo und allem Gedöns, was ein Kreidler-Baumarktrad aus Fernost vor 12 Jahren so alles mit sich führen musste. Ich taxiere das Gewicht so auf sehr stabile 15 bis 17 kg – pro Fahrrad natürlich. Mein „Halogen-Vorderlicht“ an Nabendynamo erster Generation funktioniert, alle anderen drei Fahrradlampen funktionieren nicht, aber wir wollen ja auch nicht bei Dunkelheit fahren, das wäre wegen der desolaten Straßen, der unbeleuchteten Fuhrwerke und der Tierwelt wirklich gefährlich. Blanke Drähte hängen neben dem Scheinwerfer.

Fahrradreise Rumänien

Rumänische Leihräder

Die Reifen sind von der Sonne porös, die Bremsbowdenzüge sind unprofessionell ganz ohne Spiel auf Anschlag eingestellt und dadurch etwas giftig. Ich würde die Bremsen vorn und hinten gern analog zum Motorrad und all meinen anderen Fahrrädern vertauschen. Ich traue mich aber nicht an die unkonventionell enge Bowdenzugfixierung mit meinem Werkzeug heran, weil ich nicht weiß, warum die Bremsen so knapp eingestellt sind. Sicherlich gibt es einen Grund dafür. Also bleibt das erstmal so. Ich hatte mir auf Fuerteventura 2007 nach einem ganz bösen Sturz über den Lenker mal geschworen nie wieder ohne „richtig getauschte Bremsen“ wie beim Motorrad zu fahren. Hier fahre ich erstmal so…

Rumänien mit dem Fahrrad bietet traumhafte Naturerlebnisse

Rumänien mit dem Fahrrad entdecken – Abendstimmung am Fuß der Karpaten

Beide SIS (!) Schaltungen arbeiten bis auf die ungeölten, zwitschernden Ketten krachend zuverlässig. Ok, ok – das Niveau der Leihräder hatte ich mir als glühender Fahrrad-Freak anders vorgestellt. Aber die Räder fahren entgegen meiner Vermutung dann doch besser als gedacht, zumindest wenn man keine Rekorde brechen will. Durch eine Gelenk-Verletzung bin ich sowieso etwas gehandicapt. Auf die innere Einstellung kommt es an. Sich vom deutschen Perfektionsanspruch lösen, das werden wir die nächsten Tage sicherlich noch öfter machen! Rumänien mit dem Fahrrad ist jedenfalls nichts für Pauschaltouristen mit Allinclusive-Mentalität.

 

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