Radfahren im Winter erfordert ein wintertaugliches Rad

Radfahren im Winter ist der Geheimtipp gegen überheizte Buden und Hüftgold von den Feiertagen

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Fahrrad wintertauglich machen

Radfahren im Winter ist für viele, komfortverwöhnte Autofahrer unvorstellbar. Doch es hat genau die gleichen Vorteile wie im Sommer: Schnell von A nach B, keine Parkplatzprobleme, keine Scheiben freikratzen, fit bleiben und die Natur genießen. Für verlässlichen Fahrspaß braucht der Radler allerdings unbedingt ein wintertaugliches Fahrrad. Sonst wird das Radfahren im Winter richtig anstrengend und ist auch nicht ganz ungefährlich. Natürlich rate ich niemandem bei spiegelglatten Fahrbahnen zu fahren und das Radfahren bei tiefen Temperaturen setzt auch ein paar Fahrkenntnisse sowie entsprechende Beleuchtung bzw. Fahrrad-Winter-Bekleidung voraus. Aber dann macht es sogar bei Minusgraden oder im Schnee richtig viel Spaß.

Richtig teure Fahrräder würde ich im Winter aufgrund von Streusalz nur auf ganz trockenen Straßen einsetzen. Auch auf trockenen Straßen fliegt der trockene Salz- und Taumittelstaub auf alle ungeschützten Metallteile und sorgt dort für Korrosion. Das habe ich mehrfach bei meinem alten Motorrad erlebt, dass im Winter ausschließlich auf trockenen Straßen gefahren wurde. Aber viele besitzen ja ein Zweitrad, dass entsprechend für die kalte Jahreszeit präpariert werden kann.

Checkliste für das perfekt präparierte Winter-Fahrrad


  • Winterreifen aufziehen
  • Bowdenzüge und Kette schmieren, Bremsen warten
  • Korrosionsschutz bzw. Schutzwachs auftragen
  • Elektrische Kontakte mit Kupferpaste vor Korrosion schützen
  • Zusätzliche Beleuchtung, Reflektoren und Schutzbleche anbringen
  • Arbeitszeit: ca. 45 Minuten / ohne Reifenwechsel ca. 20 Minuten

 

Korrosionsschutz oder Wachs gegen Nässe und Streusalz auftragen

Alle ungeschützte Stellen und Metallteile müssen mit einem farblosen Korrosionsschutzmittel wie z.B. diesem flüssigem Wachs sorgfältig eingepinselt werden. Wer das Schutzwachs versprüht, meidet unbedingt alle matten Teile inklusive der Lackierung. Es setzt sich dort gern irreversibel fest. Auch die Bremsflanken / Bremsgummies der Felgen und vor allem alle Teile einer Scheibenbremsanlage sind Tabu, da die Bremsbeläge sehr empfindlich auf Wachs reagieren! Alle Schrauben freuen sich dagegen sogar schon vor dem Reinschrauben über ein Tauchbad mit Gewinde. Glatten Teilen kann der Schutz nicht viel anhaben, denn sie fangen danach einfach an zu glänzen.

 

Bowdenzüge für den Winter ölen, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann

Die Bowdenzüge müssen innen komplett wasserfrei sein, da sie sonst einfrieren können. Bremsen und Schalten wird dann im Winter zur Glückssache. Beim Fahrrad finde ich persönlich ein Silikonspray für die Züge besser als Öl. Dieses verklebt nicht, verträgt sich besser mit allen Kunststoffen und verdrängt das Wasser. Auch mit Silikonspray wurden schon viele Scheibenbremsbeläge zerstört. Beim kleinsten Verdacht von Silicon-Sprühnebel auf der Bremsscheibe – ohne die Bremse zu betätigen(!) – also sofort die Scheibe mit Alkohol entfetten. Ansonsten müssen die Bremsbeläge oft ausgetauscht werden.

 

Fahrradkette im Winter geölt halten

Beim Thema Kettenschmierung gehen beim Fahrrad die Meinungen oft auseinander. Meine Devise lautet normalerweise: Die Kette vor allem bei einer Nabenschaltung so wenig ölen wie möglich. Eben nur soviel, dass sie gerade nicht zwitschert. Aber im Winter, wenn Salzwasser, Sand und Streugut auf die Glieder gestrahlt wird muss eine Kette natürlich satt eingeölt sein, sonst rostet sie bzw. wird steif. Der Handel bietet mittlerweile auch rostfreie, verzinkte Ketten an. Verschleißen tun diese aber leider immer noch genauso schnell  wie früher. Ein optimaler Schutz für die Kette vor Korrosion und Dreck findet man an Hollandrädern…

 

Im Winter zusätzliche Reflektoren am Fahrrad anbringen

Abgesehen von einer gut gewarteten, leichtgängigen V-Brake zeigt das Foto unauffällig zwei, weitere Sicherheitsaspekte, die im dunklen Winter für Radler überlebenswichtig werden: Gesehen werden, auch von der Seite! Nicht nur die Fahrrad- Winterreifen haben einen Reflektorring und erfüllen damit die Straßenverkehrsordnung, sondern zusätzlich sind auch noch Speichenreflektoren- Sticks montiert. Egal wie dreckig sie werden, sie reflektieren unglaublich hell und wiegen so gut wie nichts. Manchmal werden sie sehr preisgünstig beim Discounter angeboten. Eine sehr sinnvolle Investition.

 

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Wirkung von Reflektoren und Sicherheitsweste am Fahrrad nachts

Das Foto zeigt den Radler abends ohne Beleuchtung, aber mit Sicherheitsreflektoren: Deutlich sichtbar sind diese an den Rädern, Speichen und dem Frontreflektor. Aber die reflektierende Warnweste ist für Radfahrer nachts immer noch die beste Lebensversicherung. Das Foto wurde nicht nachbearbeitet: Es ist mit Blitzlicht aus ca. 30 Meter Entfernung abends im Januar aufgenommen worden. Ich empfehle allen Zweiradfahrern, im Winter immer eine Sicherheitsweste zu tragen. Auch auf dem Motorrad wird man im Neonlook selbst tagsüber viel besser gesehen. Man merkt den Unterschied an den Reaktionen der anderen Verkehrsteilnehmer deutlich.

 

Gute Beleuchtung am Rad ist im Winter überlebenswichtigKommen wir zum wichtigsten Ausstattungsteil des Winter-Radlers: Licht. Ich persönlich fahre immer mit einem doppelten Beleuchtungsset durch die dunkle Jahreszeit. Damit ist die Beleuchtung 100%ig ausfallsicher und leuchtet auch im Stand. Dem B&M LED-Scheinwerfer habe ich schon mal einen ganzen Test gewidmet. Hinten vertraue ich auf eine LED-Leuchte namens „Cuberaider 2“. Deren Batterien halten bei mir den ganzen Winter durch. Es ist eine der wenigen,  alltagstauglichen Rückleuchten auf dem Markt. Es gab vereinzelte Klagen über Ausfälle bei extremen Regenfahrten. Man beachte bitte auch die vorgeschriebenen Reflektoren vorn und hinten.

 

Dynamo AXA im WinterDer Seitenläufer-Dynamo ist natürlich wirklich Oldschool, aber mein Rad ist schon 12 Jahre alt. Im Winter ist es wichtig, dass der Dynamo an einer dafür ausgelegten Reifenflanke laufen kann. Bei Stollenreifen ist das schwierig. Im Frühling klipse ich die Akkulampen ab und habe für die wenigen, dunklen Stunden dann das Dynamolicht. Ein guter Nabendynamo ist natürlich besser. Axa lieferte bis Mitte der 90er Jahre wirklich gute Spitzendynamos aus, die durch Kugellager und große Reibrollen sehr gut laufen. Alle Kabel und Steckkontakte kann man im Winter dünn mit Kupferpaste bestreichen, dann funktionieren sie auch noch unter Wasser und sind korrosionsgeschützt.

 

Winterreifen fürs Fahrrad - hier von Continental

Winterreifen fürs Fahrrad sind teuer, aber keinesfalls überflüssiger Luxus. Im Gegensatz zu Stollenreifen, die bei Schneematsch auch noch taugen, haben sie eine für Minusgrade optimierte Gummimischung und ein ganz feines Lammellenprofil. Continental hat dem Topcontact Winter II noch Partikel hinzugefügt, die auf glatten Straßen helfen. Ich habe auch das Winterreifen-Pendant von Michelin getestet.

 

 

 

Fahrrad-Winterreifen

Auf Eis funktionieren natürlich nur noch Spikes. Davon rate ich aber ab, solange der Asphaltanteil höher, als der Eis- bzw. Schneedeckenanteil ist. Spikes rollen extrem schlecht, sind schwer und nutzen sich auf Asphalt ganz schnell ab. Für schnelle Touren sind sie nicht geeignet. Der Unterschied zwischen Sommer- und Winterreifen beim Fahrrad ist ungefähr genauso groß wie bei Pkws. Wer einmal Fahrrad-Winterreifen auf verschneiten Straßen gefahren hat, will sie nicht mehr hergeben. Das Sicherheitsgefühl ist eben auch ein Wohlfühlfaktor – gerade beim Zweirad.

 

Fahrrad Steckschutzblech aus Kunststoff für schlechtes Winterwetter

An ganz kalten Tagen stülpe ich sogar noch einen Lammfellbezug über den Rennradsattel. Das hört sich nach Oma-Fahrrad an, vermeidet aber, sich morgens früh bei Dunkelheit auf einen eiskalten Sattel setzen zu müssen. Zweitens ersetzt ein Lammfellbezug die gepolsterte Radfahrhose unter der Thermohose. Zusammen mit einem federleichten Steckschutzblech hinten kann der Winter dann kommen. Nur das Schloss, das friert immer mir manchmal noch ein….

 

 

 

Tipps für das sichere Radfahren im Winter

Ungeübte Radfahrer müssen das Fahren auf Schnee erst mal fernab von befahrenen Straßen üben, denn es ist nicht immer ganz einfach zu erkennen, wann es gefährlich wird. Da wäre z.B. das Problem, dass Radwege vom Winterdienst so gut wie immer ganz zum Schluss gestreut werden. Also fährt man entweder auf dem oft ungestreuten Radweg, oder auf der geräumten Straße. Leider liegen hier am Rand gern die geräumten Reste aus Eis- Salz- und Schneegemisch. Gefrieren diese über Nacht zu einem harten Eisblock, wird es beim „möglichst weit Rechts fahren“ auf der Straße pikant. Besonders gefährlich sind hart gefrorene Spurrinnen, die einen Radfahrer sofort aus der Balance bringen. Dann vielleicht lieber doch auf dem Radweg seine eigene Spur ziehen. Dabei stößt man als Radler oft auf geistesabwesende Fußgänger, die auf glatten Wegen permanent auf den Weg schauen, damit sie nicht ausrutschen. Dies Spezies läuft einem gern genau vor das Vorderrad.

Eisflächen auf der Straße machen das Radfahren gefährlich

Spiegelglatte Fahrbahn

Wer in einer Kurve oder beim Bremsen mit dem Rad ins Rutschen gerät, weiß seine eigenen Füße als rutschende Stütze zu schätzen, die einem vor dem Sturz bewahrt. Das funktioniert aber nur, wenn man mit den Füßen auch fest auf den Boden kommt. Also sollte der Sattel bei rutschiger Fahrbahn etwas tiefer gestellt werden. Dann kann man mit Übung auch auf dem Fahrrad in Moto-Cross-Manier driften. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Bremsen feinfühlig mit exaktem Druckpunkt funktionieren. Sobald man vermutet sich auf einer glatten Straße zu befinden, darf nur noch die hintere Bremse betätigt werden. Blockiert das Vorderrad auch nur kurz, ist ein Sturz oft unvermeidbar. Auf Eis am besten gar nicht lenken und auch nicht bremsen, sondern versuchen ganz ohne Lastwechselreaktionen auf ein weniger rutschiges Stück zu kommen und dann erst in die Eisen gehen. Besondere Vorsicht ist bei rutschigen Gullideckeln, Schienen und weißen Fahrbahnmarkierungen wie z.B. Zebrastreifen geboten, hier ist es oft schon nur bei Regen spiegelglatt.

Ich rate auch erfahrenen Radlern davon ab, außer mit Spikes auf eisglatten Fahrbahnen zu fahren. Dann lieber schieben. Interessantes zeigen viele Unfallstatistiken: In den Wintermonaten gibt es deutlich weniger Fahrradunfälle als im den Sommer. Die Gründe sind unklar, es wird aber vermutet, dass

  • im Winter eher erfahrene Radfahrer unterwegs sind
  • viele Verkehrsteilnehmer bei schlechten Verhältnissen generell vorsichtiger fahren
  • insgesamt natürlich viel weniger mit dem Fahrrad gefahren wird

Mehr Boden-Haftung entsteht neben Winterreifen auch durch das Absenken des Reifenluftdrucks um 1 oder 2 Bar (Minimalwerte auf der Reifenflanke beachten). Allerdings ist das Fahren dann viel anstrengender und der Reifen verschleißt schneller. Ein breiter Reifen fährt sich auf rutschigen Untergründen besser, als ein schmaler Reifen, bei dem der Luftdruck nur bedingt abgesenkt werden kann, da sonst sogar bei flachen Bordensteinen die Felge schnell beschädigt wird. Eine Batterie- oder Akkulampe, die im Sommer 3 h leuchtet, hat bei Kälte nur noch 50-80% Ihrer Kapazität. Bei Minusgraden kann es sein, dass sie statt 3 h nur noch 1,5 h Licht spendet.

 

Winter-Fahrradbekleidung

FrostSteigt man mit kalten Knochen aufs Rad, erhöht sich wortwörtlich die Knochenbruchgefahr bei Stürzen. Handschuhe, Reflektorweste und Helm sind für mich obligatorisch, aus diesem Grund ist aber auch passende Fahrrad-Winterkleidung eine sehr gute Investition. Der größte Fehler besteht oft darin, zuviele Schichten anzuziehen, da man auf dem Rad auch im Winter schnell schwitzt. Also wie beim Jogging lieber etwas zu kühl als zu warm kleiden.

Geht das Thermometer gegen den Gefrierpunkt, wird es auf längeren Strecken immer schwieriger, die Füße warm zu halten. Die Hände werden (im Gegensatz zum Motorradfahren) stärker durchblutet und erwärmen sich bei leichter Anstrengung nach ein paar Rad-Kilometern von selbst, die Füße stehen aber quasi starr auf den eiskalten Metallpedalen. Selbst in guten Goretex-Wintersportschuhen kühlen nach 15 km meine Füße aus. Das einzige, was dagegen auf frostigen Touren hilft, sind Thermo-Überschuhe fürs Fahrrad, die auch vor Nässe schützen.

Werden auch die Hände nicht warm, empfehlen sich die bewährten „Schweinepfoten“ – sprich Zweifinger-Thermo-Fäustlinge aus dem Motorrad-Zubehör. Eine leichte Thermohose für Skilanglauf „ohne etwas darunter“ hilft optimal gegen kalte Oberschenkel und minimiert die Reibung, die sonst durch normale Thermounterwäsche (als Zwiebelprinzip) unter einer viel zu kalten Jeans zwangsläufig entsteht. Am Oberkörper kann das Zwiebelprinzip z.B. in Form eines zusätzlichen Fleecepullovers über dem Trikot oder Funktions-Shirt angewendet werden. Ein Schlauchtuch leistet ebenfalls sehr gute Dienste. Mittlerweile habe ich mir auch eine Helmmütze gegönnt und möchte sie schon ab dem Herbst nicht mehr missen, weil sie auch die Ohren abdeckt. Gute Fahrrad-Winterbekleidung ist für den Fahrspaß in der dunklen Jahreszeit genauso wichtig, wie ein gutes Winter-Fahrrad.

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