Defekte Shimano SG-8R36 Nexus-8 Nabe nach 11.000 Kilometern

Ende Januar 2019 erreichte mich eine längere Email von Henrik, der seine persönliche Erfahrung mit der Haltbarkeit der Nexus 8 Premium Getriebenabe hier teilen möchte. Problematisch und enttäuschend für ihn war die mangelhafte Dichtigkeit der Nabe an einem E-Bike, welches als Pendler-Rad bei jedem Wetter eingesetzt wurde. Die im Zweiradhandel gern als “völlig wartungsfrei” angepriesene Shimano Nexus-8, versagte ihren Dienst in Form eines kapitalen Getriebeschadens. Wie falsch diese Wartungsfrei-Aussage für all diejenigen ist, die nicht nur gelegentlich bei Sonnenschein mal eine kleine Radtour machen, erfuhr der Allwetterradler dann auf der heimischen Werkbank. Henrik öffnete die Nabe und staunte über den desolaten Zustand der Getriebeeinheit:

  • statt Öl und Fett fand er braunes Wasser in der Nabe
  • einige Metallteile waren bereits verrostet
  • der Kunststoff-Nadellagerkäfig war gebrochen (typischer Defekt)
  • eine Zugfeder lugte halb abgerissen aus dem Loch des defekten Lagerkäfigs
  • Die kleinen Metallwalzen kullerten lose zwischen den Zahnrädern der Getriebenabe herum

Was ist mit der Getriebenabe passiert?

“Die Nabe lief 8.000 km problemlos, das Rad stand in dieser Zeit immer trocken. Darauf folgte ein Umzug der es nötig machte, dass Rad draußen (…in der Witterung) anzuketten. Es wurde täglich für 22 km Arbeitsweg genutzt und da es sich um ein schweres eBike handelt, war tägliches aus dem Keller holen keine Option. Die darauf folgenden 3.000 km waren extrem stressig. … Der Teileverschleiß ging bei Schlechtwetter-Fahrten exorbitant in die Höhe, dann bei ca. 11.000 km waren die Gänge 5-8 nicht mehr zu gebrauchen. Etwas blockierte.” / Henrik P.

   

Wasser, Wartungsarmut und hohe Kräfte haben diese Nexus 8 zerstört

Wasser und hohe Kräfte haben diese Nexus-8 zerstört / Foto: Henrik P.

Shimano kaputte Zugfeder aus der Nexus 8

Abgerissene Zugfeder aus der Nexus 8 / Foto: Henrik P.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Probleme, die Henrik mit der Nexus SG-8R36 hatte, sind typische Erfahrungen von Allwetter-Pendlern bzw. Winterfahrer-Innen. Sobald auch nur eine geringe Menge Wasser oder Taumittel in das Nabeninnere kommt, sind die problemlosen Tage der Nexus-Schaltungen gezählt. Für die Fotos und die ausführliche Beschreibung möchte ich mich bei Henrik ganz herzlich bedanken. So haben wir alle etwas davon! Ich hakte mit ein paar Fragen nach und erfuhr weitere Details:

  • Bei dem Fahrrad handelt es sich um ein Bergamont Summerville C-N8 28 – also ein E-Bike
  • mit Bosch Tretlagermotor der 2. Generation, welche seine Antriebskraft direkt an die Kette bzw. die Nexus-Nabe abgibt
  • der Antrieb entwickelte anfangs soviel Drehmoment, dass er das Hinterrad auf der Kettenseite zu sich heran zog, diesem Problem wurde später durch die Montage von zusätzlichen Kettenspannern begegnet – der Hersteller änderte bereits die Hinterradaufnahme
  • das Fahrrad wiegt 30 Kilogramm plus Pendler-Gepäck und Fahrer-In, das gesamte Systemgewicht liegt bei ca. 100 kg

Henrik hat sich bereits eine gebrauchte Nexus SG-8R36 besorgt und tauscht einfach die “Trägereinheit Y36V98030” – also das Innenleben der Nabe aus. So kann er das Hinterrad weiternutzen, ohne die Nabe auszuspeichen. Das Ersatzteil würde neu ca. 55,- bis 70,- EUR kosten. Auf diese Weise können Nexus-Standard-Naben mit Gleitlagern übrigens > nachträglich (!) auf die Nexus Premium-Version mit leichtgängiger Nadellagerung umgebaut werden. Der Unterschied des Wirkungsgrads beträgt auf dem Papier zwar nur ein paar Prozent, gefühlt lässt sich ein Fahrrad mit der Premium-Nabe aber wesentlich leichter treten!
> Eine Nexus-Reparaturanleitung für jedermann gibt es hier.

 

Defekte Nexus Inter 8 Nabe

Im Foto in Form von Tröpfchen sehr gut zu erkennen: “Auffällig war beim Öffnen vor allem die hohe Feuchtigkeit…” / Foto: Henrik P.

 

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Hätten die Shimano Nexus-8 Probleme hier vermieden werden können?

Meine persönliche Einschätzung: Die Nexus-Nabe tat trotz hoher Dauerbelastung problemlos ihren Dienst, bis das Fahrrad dauerhaft im Regen geparkt- und oft bei schlechtem Wetter im Winter gefahren wurde. Das Gesamtgewicht des schweren E-Bikes mit Radlerin und Gepäck von ca. 100 Kilogramm liegt im Rahmen des Alltäglichen. Ob die Shimano Nexus- und Alfine-Naben ebenfalls klaglos die hohen Drehmomente über einen Mittelmotor verkraften, kann ich nicht beurteilen. Besser ist auf Dauer sicherlich die Verteilung der Tret- und Motorkräfte über ein gesondertes Getriebe oder über das Vorderrad. Dadurch entstehen natürlich wieder andere Nachteile, die ich hier nicht näher erörtern möchte, aber ein schräg gezogenes und dadurch verspannt montiertes Hinterrad durch reißenden Motorpower ist Gift für die Nexus-Nabenlager sowie die Schaltmechanik. Denkbar ist z.B. dass der Kunststoff-Lagerkäfig dadurch bereits angebrochen war und erst viel später seine Walzenlager in der Nabe verstreute: Nämlich vielleicht erst dann, als sich das Lagerspiel durch Abrieb, Schmutz und Rost vergrößerte und die kleinen Walzen aus dem Käfig fallen konnten.

Im Gegensatz zur Alfine 11 ist die Nexus Nabe nicht 100%ig abgedichtet: Salzwasser kann eindringen, kommt aber kaum mehr aus dem fast geschlossen System heraus und verursacht im Laufe der Zeit heftige Korrosionsschäden. Zusätzlich wird aus der ehemals frischen Öl-Fettfüllung ab Werk durch mechanischen Partikelabrieb eine Art Metall-Schleifpaste, die normalerweise alle zwei Jahre gegen ein frisches Ölbad samt Fett gewechselt werden muss. Winterfahrer-Innen und Laternenparker sollten das unbedingt jedes Jahr machen. Die Alfine-11 Nabe hat übrigens eine echte “Flüssig-Ölfüllung”. > Die Unterschiede der verschiedenen Shimano Naben finden Sie hier.

Meine eigene Nexus-Premium Nabe hat jetzt 18.000 Kilometer runter und 14 Fahrrad-Jahre auf dem Buckel. Hätte ich die hier geschilderten Nexus-8 Probleme früher selbst gekannt, hätte ich die empfohlenen Ölwechsel bzw. besser gesagt “Öltauchungen” genauso regelmäßig wie beim Auto gemacht. > Dazu gibt es Nabenschaltung eine Anleitung.