Pendix Bausatz Test

 

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E-Bike-Nachrüstung mit dem Pendix-Mittelmotor

Ein Gastbeitrag von Christian Wemhoff | Stand: September 2016

Mein gebrauchtes „KTM-Teramo“ wurde durch einen Pendix-Umrüstsatz zum Pedelec: Seit sechs Jahren fahre ich das Modell „Teramo“ des österreichischen Fahrrad-Herstellers KTM – auch im Winter. Die Qualität des Trekkingrades ist Spitze und der Zustand ist immer noch hervorragend. Was auch daran liegt, dass ich über die Jahre einige Teile erneuert habe. Bei ca. 2.000 Kilometern im Jahr ist das aber auch notwendig. Der Rahmen, die Bremsen, der Kurbelantrieb und die Schaltung  funktionieren aber nach wie vor einwandfrei; kein bisschen Rost, trotz Regen, Schnee und Streusalz.

Da sich meine tägliche Rad-Strecke durch einen Umzug auf gut 38 Kilometer erhöht hat, stand ich vor der Entscheidung: Ein neues Pedelec kaufen oder das alte KTM-Rad nachrüsten? Recherchiert man ein wenig auf dem Pedelec- und E-Bike-Markt stellt man schnell fest: Ein neues, qualitativ vergleichbares Trekking-Rad als Pedelec fängt erst bei gut 2.700 € an. Viel Geld für ein Fahrrad mit Elektromotor.

 

Der Pendix-System-Umbausatz im Detail

Bei der Recherche traf ich auf das Pendix-Nachrüst-System. Das Set des deutschen Herstellers kostet 1.490 € zuzüglich dem Einbau. Der Bausatz kann an jedem, handelsüblichen Fahrrad angebaut werden. Der Einbau ist allerdings einem Zweirad-Händler vorbehalten, weshalb das Pendix-Nachrüst-Set nur bei eben diesem erworben werden kann. Der Händler wiederum übernimmt dafür die Gewährleistung und sichert durch den fachgerechten Einbau auch gleichzeitig die Betriebserlaubnis. Der Umbau schlägt mit ca. 2-3 Stunden Arbeit des Zweirad-Händlers zu Buche.

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Da es das Pendix-System erst seit kurzem zu kaufen gibt, ist die Vertriebsstruktur in Deutschland leider noch nicht sehr ausgeprägt. Daher verging ein wenig Zeit, bis ich über Pendix selbst einen Händler in der Region Gütersloh fand, der mir nicht nur eine Probefahrt, sondern auch den Umbau selbst anbot. An dieser Stelle sei die Firma Fahrrad Peitz aus Gütersloh empfohlen. Sucht man auf den einschlägigen Kleinanzeigen-Seiten im Internet, findet man auch Händler, die das Pendix-Set unter dem offiziellen Preis inklusive Einbau anbieten. Ob und wie seriös diese Anbieter sind, kann ich nicht beurteilen. Fahrrad Peitz jedenfalls verbaute in fünf Werktagen das Pedelec-System an mein bestehendes KTM-Rad.

Neben dem Pendix-Set selbst wurden auch einige andere Fahrrad-Bauteile ersetzt: Beispielsweise stellte sich heraus, dass ein neuer Vorbau montiert werden musste. Der Händler ersetzte auch die beiden großen, vorderen Kettenritzel. Nach Händler-Aussage übt der Antriebsmotor soviel Zug aus, dass die Kette an abgenutzten Antrieben überspringt und neue Kettenräder, neben einer neuen Kette notwendig wurden. Bei der angesprochen Laufleistung ist das aber auch kein überflüssiger Wechsel von „Verbrauchsmaterial“ des Rades. Ein Mittelmotor sitzt eben nicht direkt an den Rädern, sondern benötigt logischerweise einen kerngesunden Ketten- oder Riemenantrieb, der zusätzlich noch die Tretkräfte dauerhaft aushalten muss.

 

Technische Daten zum Pendix-Umbausatz*


  • Zusätzliches Systemgewicht zum Fahrrad rund 6,5 kg
  • Erlaubtes Gesamtgewicht des Fahrrads mit Gepäck 120 kg
  • Leistung 250W, 50 Nm Drehmoment, 25 km/h max.
  • Maximale Reichweite mit einer Akkuladung. 105 km laut Herstellerangabe
  • Lithium-Ionen Akku abnehmbar, 48V, 300 Wh, 6,4 Ah, Ladezeit 3h, 500 Ladezyklen

* Angaben des Herstellers


 

Pendix-Akku, Elektronik und Handling

Der Pendix Akku wird am E-Bike einfach eingeklickt und verdreht.

 

E-Bike Umrüstung mit PendixDas Pendix-Set besteht nur aus einem Akku, der Akku-Aufnahme, dem Tretlager mit Sensorik, dem Motor, zwei Kurbeln sowie einem Radumfang-Messer am Hinterrad. Zum Laden gibt es ein Netzteil und eine Ladestation, in die der Akku gestellt werden kann. Im Vergleich zu anderen Sets, gibt es keine Steuerungseinheit, die z.B. den Tacho ersetzt: Die Betriebsart und auch der Ladezustand sind am Akku selbst einstellbar bzw. abzulesen. Wie ich finde: Sehr schick und sehr puristisch. Aber ganz ehrlich: Mehr benötige ich auch nicht. Wozu ein hell-leuchtendes, völlig überladenes Display (z.B. Bionix)? Oder eine billig wirkende Steuereinheit (z.B. Bosch)?

 

Die E-Bike-Leistung wird in den drei Stufen Eco, Smart und Sport eingestelltPer wertig wirkendem Drehrad am Kopf des Pendix-Akkus lassen sich die drei Unterstützungsstufen wählen: Eco, Smart & Sport. Dies sollte man nicht unbedingt während der Fahrt umstellen (um nicht vom Verkehr abgelenkt zu werden), es ist aber möglich. Über einen LED-Ring wird der Ladezustand angezeigt. Angebaut wird die Halterung für den Akku einfach an die vorhandenen Aufnahmen für Fahrrad-Trinkflaschen. Je niedriger die Montage am Rahmen erfolgt, umso niedriger ist dann auch der Schwerpunkt.

In meinem Fall musste der Trinkflaschenhalter weichen und wurde einfach an die senkrechte Strebe versetzt. Ein wenig Platz beim Handling des Flaschenhalters fehlte mir dadurch, was aber aufgrund der großen Rahmenhöhe (56) nicht weiter tragisch ist. Bei kleineren Fahrrädern, oder MTB’s mit sehr flacher Rahmengeometrie könnte das ein Problem werden. Für die kleinen Einkäufe zwischendurch verfügt der Penidx-Akku über eine praktische Schlosslasche. Dadurch kann man das Fahrrad mit einem Standardschloss zusammen mit dem Akku vor Diebstahl schützen. Bei längeren Parkzyklen demontiere ich den Akku vom Fahrrad. Im Lieferumfang enthalten ist auch die erforderliche Ladestation. Im Grunde ist das „nur“ eine Metallschale, in dem das Ladekabel befestigt wird. Durch einen Magnet haftet der Akku an diesem Stecker und steht beim Ladevorgang stabil in der Schale. Der Stecker ist so konstruiert, dass man ihn nicht versehentlich verkehrtherum am Pendix-Akku befestigen kann. Die Ladeschale ist kein Muss – der Akku kann auch ohne Ladeschale geladen werden.

 

 Drei Leistungsstufen und fünf Farben


Pendix-Leistungsstufen
  • Eco: 75%, bis 23 km/h, kaum merkbare Unterstützung
  • Smart: 150%, bis 24 km/h, deutlich spürbar, wunderbar für das tägliche Pendeln
  • Sport: 200 %, bis 25 km/h, Vollgas, wirklich beeindruckendes „Drücken“
Pendix-Ladezustände
  • Grün: 100 % – 71 %
  • Gelb: 70 % – 41 %
  • Orange: 40 % – 16 %
  • Rot: 15 % – 6 %
  • Rot blinkend: < 6 %

* Angaben des Herstellers


 

Pendix-E-Bike-Umbau mit wenig sichtbarer Elektronik

Pendix Umbau mit wenig Kabeln und ElektronikAm Hinterrad befindet sich der Sensor, der die Radumdrehungen misst. Dies ist die einzig wirklich sichtbare Elektronik. Sonstige Kabelbäume oder Elektrobauteile gibt es nicht. Damit ist die Pendix-Technologie auch leichter, als viele andere Systeme. Das Rad mutiert dadurch nicht zu einem Elektrovehikel, sondern bleibt primär auch optisch ein Fahrrad.

 

 

 

Mein Fahrerlebnis nach der Umrüstung

Der Elektroantrieb drückt das Fahrrad regelrecht nach vorn – jedenfalls im Sport-Modus. Das macht wirklich Spaß! Der Smart-Modus ist der, den ich täglich zum Pendeln auf meinem Arbeitsweg nutze: Spürbare Unterstützung bei guter Reichweite. Benötigt man nur eine leichte Unterstützung, bietet sich der Eco-Modus an. Selbigen nutze ich persönlich eher selten. Denn für das Pendeln ist in meinem Fall der Smart-Modus wirklich klasse.

Die persönlichen Fahreingenschaften verändern sich: Ich fahre nun selten schneller als 25 km/h. Gleichzeitig stieg meine Trittgeschwindigkeit an. Die elektrische Unterstützung führt in der Praxis automatisch dazu, dass man mehr und regelmäßiger tritt und dabei weniger schnell – selten 30 km/h – radelt. In der Summe macht das aber nichts: Denn quasi aus dem Stand heraus ist man sehr schnell wieder mit 20, 22 km/h unterwegs, ohne sich richtig anzustrengen. Entsprechend hoch ist auch die Durchschnittsgeschwindigkeit.

Selbst mit ausgeschalteten Pendix-Antrieb lässt sich das Trekkingrad fast normal fahren. Man merkt natürlich, dass ein Getriebe zusätzlich Kraft abverlangt. Im Vergleich zu einem Komplett-Pedelec ist das aber relativ gering. Darüber hinaus erzeugt der Pendix-Antrieb keinerlei Geräusche; kein surren, kein rattern.

Mehr zur Reichweite, den Fahreigenschaften und weitere Erfahrungen des Pendix-Sets demnächst hier bei 2rad.nrw: Die ersten 2.000 KM mit Pedix!

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Fazit Pendix-Umrüstsatz auf E-Bike


  • Ein nachträglicher Pendix-Umbau zum Pedelec ist an fast jedem Fahrrad möglich
  • Optisch und technisch gelungenes Design, das wirklich gut zu Fahrrädern passt
  • Bis auf den Geschwindigkeitssensor kaum sichtbare Elektronik, fast keine Kabel, keine Schalter und Knöpfe
  • Durch den Mittelmotor angenehme Gewichtsverteilung und niedriger Schwerpunkt
  • Sehr geringes Systemgewicht von nur 6,5 kg im Vergleich zu anderen Pedelecs
  • Echte Alltags-Reichweiten für Berufspendler mit einer Akkuladung möglich
  • Die Anschaffungskosten für das Pendix System lohnen sich aber nur dann, wenn man viel Fahrrad fährt