Ein Gewitter beim Radfahren kommt fast immer unerwartet

Völlig unbedarft fuhr ich mit dem Fahrrad auf meiner Hausroute in den warmen Sommerregen. Dieser wurde zum handfesten Gewitter mit heftigem Blitzschlag. Mit einem ziemlich mulmigen Gefühl stellte ich mich unter, wurde pitschnass – und machte so ziemlich alle Fehler, die man auf einer Radtour bei Blitz und Donner machen kann.

Spontanität ist die Würze des Radfahrens. Mit keinem Fortbewegungsmittel lässt sich so unbedarft losfahren wie mit dem Rad. So entschied ich mich trotz eindeutiger Regenansage der Warnwetter-App an einem heißen Junitag 2019 in geistiger Umnachtung dazu, trotzdem meine Hausrunde zu fahren. Eine strunzdumme Idee. Der Himmel wurde schwarz und ein Gewitter zog auf. Statt Schutz vor Blitzeinschlag zu suchen machte ich mitten auf den Feldern in aller Seelenruhe Fotos.

Aus dicken Regentropfen wurde ein richtiges Unwetter. Ich wurde nass und wollte mich unterstellen. Aber mitten auf den Feldern war das unmöglich. Unter einen einzelnen Baum wollte ich mich auf gar keinen Fall stellen. Das Gewitter kam immer näher. Ich bekam Angst vor den Blitzen, die samt Donner überall waren. Und ich als Blitzableiter auf dem Fahrrad – als einzige Erhebung mitten auf den Feldern mittendrin. Aber sich jetzt völlig ungeschützt möglichst flach in die braune Pampe hinlegen? Wer macht das denn schon wirklich?

Ein Unwetter kommt für Radfahrer oft überraschend – wo unterstellen?

Schließlich fand ich einen dichten Wald und stellte mich einfach auf dem Rad sitzend unter die schützenden Bäume. Das waren keinen einzelnen Bäumchen, sondern ein richtiger Wald mit dichten Baumkronen, die das Licht nahmen. War das jetzt sicher? Das Gewitter tobte über mich hinweg, ich wurde auch unter den Bäumen nass. Nach 20 Minuten fuhr ich auf eine Landstraße, noch immer im Nieselregen und noch immer kamen kleinere Blitze links und rechts vom Himmel, die mir wieder richtig Angst einjagten. Ich Schussel war zu früh weitergefahren!

 

 

Trost für Radler nach einem Gewitter: Doppelter Regenbogen

Eine Bushaltestelle aus Metall bot mir trügerische Trockenheit, ich stellte mich trotzdem wieder unter, denn es gab nichts anderes als diese öde, endlose Landstraße, Dauerregen und das Gewitter. Seelenruhig fuhr ein Rennradfahrer grinsend und zuversichtlich vor meiner Nase her. Kurze Zeit später kam ein schweres Motorrad mit zwei Personen aus der anderen Richtung mit selbstbewusster Geschwindigkeit vorbei. Ich war neidisch auf jedes Auto mit dem bewährten, faradayschen Käfig, dass auf der nassen Straße an mir vorbei zischte, denn noch immer schlugen kleine Blitze ein und ich saß passiv in dieser blöden Bushaltestelle.

Trotz sommerlichen Temperaturen wurde mir kalt. Eine viertel Stunde später fuhr ich weiter nach Hause, warf die nassen Klamotten in die Waschmaschine und machte mir Gedanken über mein erstes Gewitter auf dem Fahrrad in freiem Gelände. Was hatte ich falsch gemacht? Wie konnte ich ein Sommergewitter als erfahrener Radler so maßlos unterschätzen? Warum hatte ich plötzlich solche Angst? War das jetzt wirklich lebensgefährlich? Ja, denn in Deutschland schlagen im Jahr ca. 500.000 Blitze ein. Sie verursachen auch zahlreiche Waldbrände. Das Internet gibt Radfahrer-Innen bei Gewittern aktive Hilfestellung und habe sie hier zusammengestellt. Ähnliches gilt natürlich auch für Motorradfahrer-Innen:

 

 

Wie verhält man sich bei einem Gewitter auf dem Fahrrad richtig? Meine 5 Regeln für Blitz und Donner-Radler:

 

1. Fahrrad bei Gewitter flach hinlegen

Ein Fahrrad als auch ein Motorrad ist für Blitze ein beliebtes Ziel, denn beide sind auf weiter Flur deutliche Erhebungen in der Landschaft. Zweiräder bestehen zusätzlich meist aus Metall und locken samt aufrecht sitzendem Fahrer Ströme förmlich an. Böse formuliert fährt man bei einem Gewitter als lebendiger Blitzableiter durch die Landschaft – trotz Griffen und Reifen aus Gummi. Dazu ist noch alles nass. Das sind eigentlich die besten Voraussetzungen schon bei einem Mini-Blitzschlag an einem Stromschlag zu sterben oder sich schlimme Brandverletzungen zu zuziehen. Fehlt eigentlich nur noch das berühmte Badesalz…. Deshalb das Fahrrad unbedingt loslassen, sich möglichst 10 Meter weit von allen Gegenständen wegstellen und nicht in Pfützen stehen. Mehrere Personen sollten Abstand zueinander waren und sich nicht anfassen.

2. Bei Gewitter nicht einfach weiterfahren

Sowohl Motorrad- als auf Rennradfahrer auf nichtleitenden Carbonrädern dürfen Blitzeinschläge auf einer Landstraße keinesfalls ignorieren (“dem Gewitter einfach davon fahren…”), weil sie im Gegensatz zu Autos keinen > faradayschen Käfig um sich haben. Wenn es überhaupt keinen Unterstellplatz gibt, soll man sich laut ADFC mit geschlossenen Beinen möglichst kompakt hinhocken.

3. Schrittspannung gering halten

Die Körperhaltung ist im offenem Gelände bei einem Blitzeinschlag sehr wichtig: Im Bereich eines Potentialtrichters steht man mit geschlossenen Füßen am sichersten. Arme eng anlegen. Nicht hinsetzen und auch nicht hinlegen, um die > Schrittspannung gering zu halten. Kühe und andere Vierbeiner sind beim Gewitter aufgrund ihrer hohen Schrittspannung besonders gefährdet, weil die Beine weit auseinander stehen. Schlägt ein Blitz in nächster Nähe ein, bestimmen genau diese Faktoren oft über Leben und Tod.

4. Einzelne Bäume meiden, ein Wald ist halbwegs sicher, eine Bushaltestelle lebensgefährlich

Die alte Weisheit “Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen…” ist falsch: Alle einzelnen Bäume sind als Unterstellplätze für Menschen beim Gewitter extrem gefährlich. Relativ unbedenklich dagegen ist ein ganzer Wald mit gleichmäßig hohen Bäumen. Nicht am Waldrand unterstellen, sondern mitten rein gehen. Bushaltestellen, Brückengeländer aus Metall, Strommasten, Türme und alle erhabenen Dinge sind lebensgefährlich. Unter einer Brücke aus Stahlbeton kann man sich aber schon relativ gefahrlos unterstellen.

5. Darf ich während des Gewitters ein Handy benutzen?

Das Wichtigste: Warten bis das Gewitter wirklich vorbei ist. Auch ein kleiner Blitz erzeugt einen tödlichen Lichtbogen mit mehr als 10.000 Ampere und zigtausend Grad Celsius. Ein Handy darf beim Gewitter benutzt werden, weil es an keinem Kabel hängt.

6. Wie kann einem vom Blitz getroffenen Opfer geholfen werden?

Ist jemand vom Blitz getroffen worden, so sind oft sofortige Rettungsmaßnahmen zu ergreifen: Bei Herzstillstand kann die Herzrhythmusmassage und Mund-zu-Mund Beatmung Leben retten. Vom Blitz getroffene Opfer übertragen keine Stromspannung mehr, sondern können sofort gefahrlos berührt werden. Hitze- und Brandverletzungen treten oft an den Eintritt- und Austrittstellen des Blitzes ein. Ist ein Blitz “nur in der Nähe” eines Opfers eingeschlagen, so kann das extrem hohe Spannungsfeld trotzdem Verletzungen, Schockzustände und Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Betroffene sollten im Krankenhaus ärztlich untersucht werden.

   

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